Axiom

Die Charakterstudie eines Hochstaplers liefert der in Berlin arbeitende schwedische Regisseur Jöns Jönsson mit „Axiom“. Der Film lebt von den genau beobachten Alltagssituationen, den präzisen Dialogen und vor allem von der Performance des Hauptdarstellers Moritz von Treuenfels, der sich in den vergangenen Jahren von ersten Engagements in Potsdam und Basel ins Ensemble des Bayerischen Staatsschauspiels vorarbeitete.

Er spielt Julius, einen sympathisch-schlaksigen jungen Mann, der sehr eloquent ist, aber auf den ersten Blick nicht besonders ungewöhnlich zu sein scheint. Je länger die Kamera ihm folgt, desto klarer wird: Julius ist ein meisterhafter Geschichtenerzähler, der ständig Anekdoten über scheinbar wahre Erlebnisse erfindet und sich je nach Bedarf immer neue Biographien zurecht imaginiert: mal gibt er sich als Sohn einer Aristokratenfamilie aus, mal als Kind drogensüchtiger Eltern, seiner Freundin Marie (Ricarda Seifried) und ihren versnobten Eltern spielt er eine Karriere als aufstrebender Architekt vor, in Wahrheit hilft er nur als Museumswärter aus, wo er auf den Österreicher Erik (Thomas Schubert), der ihn nach und nach durchschaut.

„Axiom“ ist eine unterhaltsame Fingerübung, die mit ihrer Präzision überzeugt und im Gegensatz zu ihrer Hauptfigur und auch vielen anderen Filmen der Berlinale-Sektion „Encounters“, wo sie im Februar 2022 Premiere hatte, nicht mehr erscheinen will als das, was sie tatsächlich ist.

Am 30. Juni 2022 startete „Axiom“ in den deutschen Kinos.

Bild: @ Martin Menke / BonVoyage

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