Not Knowing – Bilmemek

Leider sind von dem sehenswerten türkischen Drama „Bilmemek“ nur drei Kino-Vorstellungen in Berlin, Leipzig und München geplant. Unter dem Titel „Not Knowing“ brachte Pro-Fun Media den Film ansonsten nur für das Heim-Kino heraus.

In den stärksten Momenten ist „Not Knowing“ ein berührendes Drama über Mobbing in einem Wasserball-Team. Der 17jährige Umut (Emir Özden) wird von seinem Vater Sinan (Yurdaer Okur) angetrieben, sich noch mehr in Training und Prüfungen reinzuhängen, um ein Stipendium für eine US-Uni zu ergattern. In der Mannschaft bildet sich jedoch eine Front gegen den sensiblen Jungen. Berk (Arda Aranat) schwingt sich zum Anführer auf und setzt ihn unter Druck: seitdem er einem Außenseiter zur Hilfe kam, als er von den Team-Kollegen zusammengeschlagen wurdem gilt Umut als schwul. Er sei doch kein echter Mann und solle sich endlich erklären, fordern sie ihn auf.

Die Kamera von Meryem Yarvuz setzt eindrucksvoll in Szene, wie die Team-Mitglieder unter Wasser Tritte gegen Umut austeilen, so dass Trainer Attila (Levent Üzümcü) anfangs nichts mitbekommt. Die Schikanen werden härter: sie tauchen ihn unter, bis er fast keine Luft mehr bekommt, weigern sich, dass er sich mit ihnen umziehen darf, und schneiden ihn demonstrativ, als er in die Sauna kommt.

Der Trainer wiegelt ab, aber noch mehr versagen Vater Sinan und Mutter Selma (Senan Kara). Als Umut ankündigt, das Wasserball-Training aufzugeben, ohne das Mobbing zu erwähnen, setzt ihn sein Vater so lange unter Druck, bis er die Tortur weiter auf sich nimmt. Die Eltern sind zu sehr mit sich beschäftigt: der Vater kann es nicht verwinden, dass sein Chef einen aalglatten Schnösel statt ihn beförderte, die Mutter flüchtet in eine Affäre und ringt mit ihrem Bruder um das Erbe. Phasenweise verzettelt sich „Not Knowing“ zu sehr auf den Nebenschauplätzen, will neben Mobbing-Drama in knapp 90 Minuten auch noch ein Gesellschafts-Porträt der Türkei sein. Zum Glück findet der Film aber doch immer noch rechtzeitig zu seinem Kernthema und seiner Hauptfigur zurück.

Aufgerieben taucht Umut schließlich einfach ab. Zu spät wachen alle auf, suchen hektisch nach ihm statt sich weiter um sich selbst zu drehen und posten Entschuldigungs-Videos auf Facebook.

Doch zu spät: die Regisseurin und Drehbuchautorin Leyla Yilmaz verweigert sich einem Happy-end und entlässt das Publikum mit einem bedrückenden Finale in die Berliner Gewitter-Nacht.

Bilder: PRO-FUN MEDIA

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