Milchzähne

Ungewöhnlich prominent ist Sophia Böschs Debütfilm besetzt: Ulrich Matthes spielt den Dorfvorsteher Pesolt, der mit strenger, patriarchaler Hand die archaischen Regeln dieser Dorfgemeinschaft am Rande der Zivilisation durchsetzt. Eine Antagonistin ist Susanne Wolff als Edith. Mit hexenhaftem Äußeren ist sie die wortkarge Außenseiterin. Vor zwanzig Jahren ist sie zugezogen, erfahren wir, und ist bis heute nicht akzeptiert.

Eine panische Angst hat die Gemeinschaft vor Wolfskindern, die im Wald ihr Unwesen treiben und sich mit ihren Zähnen in ihrer Beute verbeißen. Ediths Tochter Skalde (Mathilda Bundschuh) nimmt das junge Wesen Meisis (Viola Heinz) bei sich auf und provoziert damit die Aggressionen der Nachbarn: Handelt es sich um einen Jungen, ein Mädchen oder ein Wolfskind?

Ulrich Matthes als Pesolt, Bild: Aleksandra Medianikova

Bösch verfilmte den gleichnamigen Roman von Helene Bukowski, der 2019 erschien. „Milchzähne“ ist ein kleiner Debütfilm, der raunend mit Mystery- und Horror-Motiven spielt und in einer abgeschotteten Welt zu unklarer Zeit und unklarem Ort spielt. Viele Motive hat man so ähnlich aus vielen anderen Genre-Filmen gesehen. Deswegen ist „Milchzähne“ zunächst nur eine Talentprobe mit erstaunlich klangvollem Cast.

Im Januar 2024 lief „Milchzähne“ im Max Ophüls Wettbewerb in Saarbücken und beim Festival in Rotterdam, am 10. April 2024 eröffnete der Film die 20. Ausgabe des achtung Berlin-Festivals, die bis 17. April in einigen Berliner Kinos stattfindet. Zum Jubiläum werden unter dem Slogan „Für immer jung“ auch einige herausragende Filme früherer Jahrgänge wie „Im Sommer wohnt er unten“ von Tom Sommerlatte (2015) präsentiert.

Bild: Merav Maroody

 

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