In Thomas Ostermeiers Schaubühnen-Intendanz ist Marius von Mayenburg eine der Konstanten. Als Regisseur und vor allem auch Autor prägt er das Haus am Lehniner Platz seit mehr als zwei Jahrzehnten.
Zuletzt waren seine Stücke oft glücklos. „Reden über Sex“ schleppte sich zäh und ohne Pointen dahin, auch die NS-Farce „Nachtland“ hinterließ zwiespältige Eindrücke. Doch nun landete er wieder einen Hit.
Sein neues Stück „Egal“ ist seit Februar 2025 einer der Publikums-Renner am Wiener Akademietheater. Die Leute prügeln sich fast um Tickets. Caroline Peters, einige Jahre im Schaubühnen-Ensemble und nun wieder zurück an der Wiener Burg, ist mit ihrem lakonischen Witz die Ideal-Besetzung für dieses intelligente Edelboulevard-Pingpong mit Michael Wächter als Partner.
Die Schaubühne ließ sich diesen erfolgreichen Stoff ihres langjährigen Hausautors natürlich nicht entgehen. Wie schon bei der Uraufführung in Reykjavík führt Marius von Mayenburg selbst Regie. Als Spielstätte wurde das kleine Provisorium „Ku´damm 156“ ausgesucht: ein intimer Raum, in dem das Publikum nah am Kammerspiel-Schlagabtausch des Paares dran ist, das in Berlin Marie Burchard und Stefan Stern spielen. Ein Clou dieses Raums: hinter dem Paar sieht man durch die große Glasfront den in die Jahre gekommenen Pracht-Boulevard des alten West-Berlin. Manche Passanten sind irritiert, plötzlich zu unfreiwilligen Mitspielern im Hintergrund zu werden, Kinder strecken dem Publikum die Zunge raus. Sein entscheidender Nachteil: der Raum ist ungeheizt, was in der arktischen Kälte dieses Winters des Grauens, den wir hinter uns haben, bei der überbuchten Premiere vom 9. Januar 2026 zum Problem wurde, aber im Frühjahr egal ist.
Wer die Wiener Inszenierung schon kennt, erlebt keine Überraschungen: das Timing der Pointen von Marius von Mayenburgs Text sitzt. Die Kipp-Punkte der Perspektivwechsel zwischen den vier Durchläufen dieser Rollentausch-Versuchsanordnung sind klug gesetzt.
Nach Wien hat auch die Berliner Schaubühne einen stets ausverkauften Hit, der auch die größeren Spielstätten füllen könnte.
Bild: Gianmarco Bresadola