Wir sind am Leben

Unverkennbar ist der melodramatisch-nostalgische Sound von Peter Plate/Ulf Leo Sommer: gemeinsam mit AnNa R. haben sie unter dem Label „Rosenstolz“ Berlin- und Pop-Geschichte geschrieben. Seit 2021 bespielen sie das traditionsreiche Theater des Westens mit Musical-Eigenproduktionen.

„Die Schlampen sind müde“, einer ihrer Hits von 1997, wird in der 2. Hälfte des Abends zur Mitsing-Hymne. Ansonsten ist aber der Abend etwas müde. Klischeehaft wirken die Figuren im Plot von Lukas Nimscheck und Franziska Kuropka: „Wir sind am Leben“ versetzt uns zurück in die Zeit kurz nach dem Mauerfall, als im Osten der Stadt leerstehende Häuser ungeahnte Freiröume boten, als aber zugleich die AIDS-Krise viele Todesopfer forderte.

Bruno (Jörn-Friedrich Alt) spielt eine Marlene Dietrich-Drag-Diva, die mehr und mehr von der schweren Krankheit gezeichnet ist. Um sie herum gruppieren sich: der kubanische Lover Nando (Daniel Pohlen) sowie die Geschwister Nina (Celina dos Santos) und Mario (Markus Spagl), die aus Wittenberg in die Metropole im Umbruch zogen. Von dort folgt ihnen Mama Rosie, ehemals IM Schere, die sich nach dem Aus ihres Friseur-Salons neu erfindet. Publikumsliebling Steffi Irmen spielt diese komödiantische Rolle als A-Besetzung, wurde aber in der gestrigen Show durch Kristin Schulze vertreten. Ab Herbst 2026 wird Irmen im Spin-Off „Salon Rosie“ auftreten.

Die Fans von Rosenstolz applaudieren nach der Show begeistert. Dennoch kann die neue Produktion nicht an die Bühnen-Adaptionen der ZDF-Serie „Ku´damm“ anknüpfen. Schwächen hat der Abend sowohl im Drehbuch und der Figurenzeichnung als auch beim Sound, der an vielen Stellen vor allem in den ersten Reihen übersteuert ankommt und ohne größere Varianten einer Klangfarbe treu bleibt.

„Wir sind am Leben“ hatte am 21. März 2026 im Theater des Westens Premiere. 

Bild: Joern Hartmann

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