Objet a

Der Wettbewerb von Locarno entwickelte sich schon bevor Carlo Chatrian zur Berlinale weiterzog zum Mekka für formstrenges, oft verkopftes Kino. Zu den Filmen, die einen starken Eindruck hinterließen, zählte Daniel Kothenschulte in seiner Frankfurter Rundschau-Bilanz „Objet a“, den zweiten Film von Ann Oren.

In analoger Super-16-mm-Ästhetik gedreht taucht „Objet a“ in eine gut situierte Welt mit starkem Retro-Touch ein. Ingeborg (Aenne Schwarz) und Adam (Louis Hofmann) tragen nicht nur aus der Zeit gefallene Namen, sondern haben sich auch in einem der besseren Viertel der Main-Kloake in einer stilvollen, an frühere Epochen erinnernden Wohnung eingerichtet. Radiakal gegenwärtig sind nur die häufigen Verweise auf die nahende Klimakrise, deren Wucht in diesem Hitzesommer spürbar war.

Die beiden leben in ihrem ganz eigenen Kosmos: in der Öffentlichkeit agieren sie als ein perfekt aufeinander eingespieltes Chirurgenpaar mit gemeinsamer Praxis. Privat stählt Adam seinen Body in einem getimten Workout, anschließend unterwirft er sich der Dominanz von Ingeborg. Der interessanteste Aspekt von „Objet a“ ist, dass Oren und ihr Co-Drehbuchautor Geoffroy Grison diese Machtdynamik präziser und authentischer schildern können, als es z.B. in der DomCom „Pillion“ gelang.

Dies ist neben der starken Besetzung mit Schwarz/Hofmann ein Trumpf von „Objet a“. Eine Schwäche des Films ist, dass das Spiel mit gegensätzlichen Stilen noch zu sehr wie eine verkopfte Fingerübung wirkt: während der Beginn bewusst sehr blutleer ist, mündet „Objet a“ in ein Mystery-Delirium.

Diese Woche hatte der von Jaques Lacan inspirierte Experimentalfilm seine Deutschland-Premiere in der Sektion Große Freiheit des Filmfests Hamburg. Den Kinostart hat Grandfilm für 21. Januar 2027 angekündigt.

Bilder: Schuldenberg Films, Grandfilm

   

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