Hohe Wellen schlug das Historiendrama des Briten Ken Russell, als er 1971 in Venedig Premiere hatte. Der konservative Klerus lief Sturm, der Rücktritt des Festival-Chefs wurde gefordert, die Orgien notgeiler Nonnen wurden herausgeschnitten, nur stark zensiert kam der Film in die Kinos.
Im Mai 2026 wurde in der Reihe „Cannes Classics“ der restaurierte Director´s Cut präsentiert, seit 29. Oktober 2026 gibt es in einigen Kinos die Gelegenheit, sich ein eigenes Bild zu machen.
In den 55 Jahren hat der drastisch-opulente Historienschinken über das Schicksal eines von der Inquisition angeklagten Priesters während der französischen Religionskriege im 17. Jahrhundert reichlich Patina angesetzt. Die strittigen Szenen können heute kaum noch Emotionen hervorrufen: zu offensichtlich zielen sie nur darauf ab, die kalkulierte Empörung konservativer, kirchlicher Kreise hervorzurufen.
Heute ist das mit Oliver Reed als unschuldig angeklagter und gefolterter Priester und Vanessa Redgrave als bucklig-entstellte Äbtissin und Strippenzieherin in den Hauptrollen prominent besetzte Werk nur noch filmhistorisch interessant. Eine interessante Fußnote ist, dass Derek Jarman vor seiner eigenen Regie-Karriere für die Ausstattung verantwortlich war.
Bild: Clockwork/Warner Bros.