Die andere Seite

Drastische Szenen sind in dieser Parabel auf die Corona-Pandemie und die Flüchtlingskrise auszuhalten: Felix Pfliegers Kamera hält in Großaufnahme fest, wie sich die Ärztin Hanna ihre tiefen Fleischwunden mitten im Wald operativ selbst versorgt. Genauso unmittelbar sehen wir auch all die Narben und Flecken, die sie als „Aussätzige“ brandmarken. Hanna hat sich in einer Pandemie mit dem hochinfektiösen Virus angesteckt und es in ihre Familie getragen. Ihr Mann und ihr Sohn sind daran gestorben.

Bevölkerung und Regierung machen Jagd auf die Infizierten, stecken sie in Lager. Hanna setzte sich in die bayerischen Wälder ab, kämpft ums Überleben, weidet zum Beispiel in der allerersten Szene ein Kaninchen aus, das sie später einem Hund zum Fraß vorwirft, um selbst zu entkommen.

Am besten gelingt Mariko Minoguchi (Drehbuch und Regie) die stumme erste Hälfte. Zu thesenhaft geraten viele Dialoge in den späteren Begegnungen, als sich Hanna Richtung Italien durchschlagen will. Zu plakativ winkt die Parabel auch insgesamt mit dem Zaunpfahl.

Dass Minoguchis zweiter Film nach „Mein Ende. Dein Anfang“, der wenige Woche vor dem Corona-Lockdown ins Kino kam, dennoch sehenswert ist, ist auch der Hauptdarstellerin Nina Hoss und den tollen Alpen-Aufnahmen von Felix Pflieger zu verdanken.

„Die andere Seite“ hatte am 27. September 2026 in der Sektion Große Freiheit des Filmfests Hamburg Premiere. Am 22. Oktober brachte der X-Filme Verleih die arte/BR-Coproduktion in die deutschen Kinos. In Österreich wird er nach der Viennale anlaufen.

Bilder: © Trimafilm, Felix Pflieger, X Verleih

 

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