Einer der Überraschungshits des Cannes-Filmfestivals im Mai 2026 war der Animationsfilm „Jim Queen“, der in der Mitternachts-Sektion versteckt war.
Jim ist eine echte Gym Queen, ein Muster-Exemplar eines narzisstischen Influencers. Alles in seinem Leben dreht sich nur darum, die Muskeln weiter zu stählen und sich von seinen Bewunderern anhimmeln zu lassen. Der Super-Gau tritt ein, als sein Six-Pack langsam an Kontur verliert. Panisch geht er zur Ärztin und erfährt: in der Pariser Gay-Szene kursiert ein neues Virus, die Heterose. Sie sorgt dafür, dass sich die Infizierten nicht mehr für Sex mit Männern, gepflegten Lifestyle und alle Themen, die landläufig als queer gelabelt sind, sondern nur noch für klassische Hetero-Domänen wie Fußball und einen Bierbauch bekommen.
Das französische Regie-Duo Marco Nguyen/Nicolas Athané erfand noch zwei weitere Hauptfiguren: den schüchternen Twink Lucien, der seinen Star stalked und das entscheidende Gegenmittel gegen das Virus in sich trägt, und seine Mutter, die reaktionäre Gesundheitsministerin.

Daraus basteln sie einen unterhaltsamen Plot, der mit den Klischees der verschiedenen Gay-Subkulturen spielt. Das ist durchaus unterhaltsam, hat aber nicht den erhofften satirischen Biss.
Beim von Kirill Serebrennikow & Friends konzipierten Berliner Festival lief „Jim Queen“ gestern vorab, der deutsche Kinostart ist für 24. September 2026 geplant.
Bilder: Capelight Pictures