Perineum

Leider gab es von der Performance „Perineum“ im Dock 11 an diesem Wochenende nur drei Vorstellungen – noch dazu an einem mit Tanz-Großereignissen wie den beiden Uraufführungen „rauschen“ von Sasha Waltz an der Volksbühne und „Quiet“ von Jefta van Dinther am HAU 2 ohnehin vollgepackten Wochenende.

Der Besuch dieses kleinen, verspielten Abends lohnte sich dennoch: Lyllie Rouvière und Julian Weber entwickelten zusammen eine Choreographie über den Geschlechterkampf. Eine knappe Stunde lang verhandeln sie, welche Anziehungs- und Fliehkräfte in einer Paarbeziehung wirken. Flirtendes Begehren, intime Nähe, aber auch Aggression, Wut und das Ringen miteinander. Die beiden Performer*innen kommen nicht zur Ruhe, zerren aneinander, reißen sich die Kleider vom Leib, krallen sich aneinander fest und schmiegen sich im nächsten Moment zärtlich aneinander.

Die Beziehung der beiden Performer*innen wogt hin und her: mal gehen sie aufeinander los wie Achill und Penthesila, mal sind sie das sympathische Pärchen next door. Auch der Witz kommt nicht zu kurz: die verspielte Choreographie endet mit einer wunderbaren Parodie auf das Zeremoniell des Barocktanzes als Höhepunkt des Abends.

Eine erste Fassung von „Perineum“ entstand bereits vor anderthalb Jahren in den Uferstudios. Diesen Faden nahmen Rouvière und Weber relativ spontan in diesem Winter wieder auf. 

Bilder: Dieter Hartwig

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