Parasite

Wie im vergangenen Jahr gewann auch 2019 ein ostasiatischer Meisterregisseur mit einer Familien-Tragikomödie die Goldene Palme in Cannes. Nach Hirokazu Koreedas „Shoplifters – Familienbande“ war diesmal der Südkoreaner Bong Joon-ho der Liebling der Jury.

Beide Filme verbindet, dass ihre Protagonist*innen eine gehörige Portion krimineller Energie und mindestens ebenso viel sympathische Schlitzohrigkeit haben. Ein entscheidender Unterschied: Bei den „Shoplifters“ erfuhren wir erst nach und nach, dass es sich nur um eine Wahlfamilie handelt. In „Parasite“ sind die vier Gestalten, die in der ersten Einstellung armselig in einem Kellerloch hausen und verzweifelt in jedem Winkel nach WLAN suchen, tatsächlich blutsverwandt. Es handelt sich um ein ganz klassisches Familien-Modell mit Vater, Mutter, Sohn und Tochter. Die vier verschleiern jedoch ihre Identität, um sich als Parasiten bei einer naiven, großbürgerlichen Industriellenfamilie einzuschleichen.

Es ist wunderbar gemacht, wie sich zuerst der Sohn Gi-u als Nachhilfelehrer bei der Familie Park einnistet und mit Intrigen schließlich die komplette Familie nachholt. Zunächst wird seine Schwester als Kunsttherapeutin für den Sprössling der neureichen Familie engagiert. Nachdem die bisherigen Stellen-Inhaber mit raffinierten Methoden, die bei der Münchner Pressevorführung für viel Gelächter sorgten, aus dem Weg geräumt sind, kommen der Vater als Chauffeur und die Mutter als Haushälterin hinzu.

Die Stärke von Bong ist es, dass all die schrägen Figuren, die seine Filme bevölkern, so detailgenau und plastisch gezeichnet sind, dass ihre skurrilen Handlungen geradezu logisch wirken.

Am stärksten ist „Parasite“ in den ersten anderthalb Stunden. Danach wirbelt Bong Thriller-Elemente und einige überraschende Wendungen in seinem Film hinein, der sich nach dem noch recht realistischen Beginn zur Groteske steigert.

Nach dem Triumph mit der Goldenen Palme in Cannes läuft „Parasite“ auch im Wettbewerb des Filmfests München, das Bong Joon-ho außerdem eine sehenswerte Retrospektive widmet. Der Kinostart ist für 19. Oktober 2019 angekündigt.

Bild: © FILMFEST MÜNCHEN 2019

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