Bacurau

Seltsame Dinge gehen in Bacurau vor: Der Wassertank, der das Dorf versorgen soll, wurde beschossen. Plötzlich haben die Bewohner keinen Handyempfang mehr. Auch auf Google Maps ist der Ort wie vom Erdboden verschwunden.

Der Grund dafür kristallisiert sich in diesem äußerst langsam erzählten, in der nahen Zukunft spielenden Drama erst nach und nach heraus: Korrupte Politiker verkauften die Bürger an eine Gruppe reicher Amerikaner um den deutschstämmigen Michael (Udo Kier), die das Kaff in der brasilianischen Provinz für eine Safari nutzen wollen. Im Visier haben sie kein Großwild, ihre Mission ist die Menschenjagd.

Kleber Mendonça Filho, der mit seinen politisch engagierten Filmen schon mehrfach in den Wettbewerb nach Cannes eingeladen war, erarbeitete sein neues Werk „Bacurau“ mit Co-Autor und Co-Regisseur Juliano Dornelles. Ihre Parabel auf rechtsextreme Bewegungen, wie sie in Brasilien mit Jair Bolsonaro gerade die Macht übernommen haben, ist zwar politisch hochaktuell, künstlerisch aber zu holzschnittartig.

In Erinnerung bleibt vor allem der stechende Blick, das Markenzeichen von Udo Kier. Seine Augen sind der eigentliche Hauptdarsteller eines Films, der in Cannes zwar gemeinsam mit „Les Misérables“ den Preis der Jury erhielt, bei der Pressevorführung auf dem Münchner Filmfest aber sein Publikum nicht bei der Stange halten konnte.

Die Abwanderungswellen waren die Quittung dafür, dass das brasilianische Regie-Team ihr sehr berechtigtes Anliegen, vor menschenverachtenden Auswüchsen des Rechtsextremismus zu warnen, in einem so langatmigen und vorhersehbaren Plot verpackten, der pflichtschuldig in ein Neo-Western-Finale mündete, das mit Sam Peckinpah und Sergio Leone verglichen wurde, jedoch weit hinter diesen Vorbildern zurückbleibt.

Nach der Auszeichnung in Cannes feierte „Bacaurau“ seine Deutschland-Premiere im Wettbewerb des Münchner Filmfests. Bisher hat der Film noch keinen deutschen Verleih.

Bilder: © FILMFEST MÜNCHEN 2019

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