Sophie Rois macht Theater

Um Sophie Rois ist es am Deutschen Theater recht still geworden. Ihre beiden Premieren mit René Polleschs „Cry Baby“, das immerhin regelmäßig auf dem Spielplan steht, und dem charmanten Lese-Abend „Have a cup of tea mit Sophie Rois“ liegen fast genau ein Jahr zurück. Der Eindruck drängt sich auf, dass die Ex-Volksbühnen-Starschauspielerin, die 2022 auch dorthin zurückkehren wird, und das restliche Ensemble des Deutschen Theaters friedlich und ohne größere Berührungspunkte nebeneinander her leben.

Wenn Sophie Rois doch mal wieder mit einem neuen Projekt auf die Bühne kommt, ist der Abend prompt ausverkauft. „Sophie Rois macht Theater“ nennt sie ihr neues Solo, eine szenische Lesung mit Musik-Einspielern. Sie macht es sich erst mal gemütlich auf der Couch, genießt die Vorschusslorbeeren des prasselnden Auftritts-Beifalls, gießt sich Tee ein, greift zum Gebäck und nebelt die Bühne mit ihrer Zigarette ein.

Für ihr neues Projekt hat sie sich den Roman „Theatre“ von William Somerset Maugham ausgesucht, der weniger bekannt ist und zuletzt 2004 unter dem Titel „Being Julia“ von István Szabó verfilmt wurde, was Annette Bening eine Oscar-Nominierung einbrachte.

Im Zentrum des Romans steht die alternde Theater-Diva Julia, die sich einen jüngeren Liebhaber angelt, der bald das Interesse an ihr verliert und sich lieber einem gut aussehenden, aber mäßig begabten Starlet widmet. Glanzstück des Romans ist das Finale, in dem sich Julia an ihrem Ex-Lover rächt, indem sie seine neue Flamme bei der gemeinsamen Premiere mit allerlei Tricks aus der Fassung bringt, regelrecht an die Wand spielt und ihre Karriere damit vernichtet. Die Rache genießt sie still: Statt der glamourösen Premieren-Party zieht sie sich lieber allein zurück und gönnt sich ein Steak mit Pommes Frites und Bier, das sie sich aus Rücksicht auf ihre Figur schon seit Jahren verkniffen hat.

Der Text hat einige maliziöse Stellen, die Rois sich auf der Zunge zergehen lässt. In diesen Passagen kann sie ihr Können voll ausspielen. Zwischen den raren Höhepunkten hat der Roman von Somerset Maugham jedoch einige Längen, die Rois routiniert und mit feiner Ironie beackert.

Bei früheren Lesungen servierte Rois gezielt mehrere kurze Filetstückchen unterschiedlicher Autoren. Diesmal zog sie es vor, sich über die kompletten 90 Minuten nur einem Text zu widmen. Dafür wären andere Vorlagen geeigneter gewesen, die weniger gemächlich erzählt sind und noch mehr funkelnde Passagen bieten.

Bild: Arno Declair

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