Atlantique

Als klassisches, realistisches Sozial-Drama mit unglücklicher Romeo und Julia-Liebesgeschichte beginnt „Atlantique“ von Mati Diop: Auf einer Großbaustelle in Dakar warten Suleiman und seine Kollegen seit Monaten auf ihren Lohn. Auch privat läuft es nicht besser. Seine Ada kann er nur heimlich treffen. Für sie wurde eine Ehe mit dem neureichen Omar arrangiert.

In seiner Verzweiflung will sich Suleiman auf den Weg über den Atlantik nach Europa machen. Eines Abends sind plötzlich alle jungen Männer verschwunden. An diesem Punkt bricht Mati Diop, die erste schwarze Regisseurin im Wettbewerb von Cannes, mit den Seherwartungen. Statt ihrem Plot linear weiter zu folgen und das Drama der Flucht zu schildern, bleibt „Atlantique“ bei den zurückgelassenen Frauen. Das realistische Drama diffundiert in surreale und mystische Geisterwelten.

Atlantics: A Ghost Love Story – Image Courtesy of Netflix

Ada bekommt rätselhafte SMS von Suleiman, den ihre Freundinnen angeblich gesichtet haben. Das Ehebett in der Villa ihres verhassten Mannes geht ohne rationalen Grund in Flammen auf. Der junge Polizist, der in diesem Fall ermitteln soll, ist von rätselhaften Krankheitssymptomen geschwächt. Ein Fieber grassiert und die jungen Witwen mutieren zu einer Zombie-Armee, die mit glasigen Augen den Bau-Tycoon heimsuchen und den Lohn einfordern.

„Atlantique“ wird vom Sozialdrama zu einer etwas überfrachteten Geschichte, die um Schuld und Rache kreist und gegen Ende in esoterisch-raunende Tonlagen driftet. Das ungewöhnliche Debüt von Mati Diop, der auf ihrem gleichnamigen Dokumentarkurzfilm basiert, wurde bei der Premiere in Cannes im Mai 2019 mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet und steht auf der Oscar-Shortlist für den besten fremdsprachigen Film. Auch wenn das Erstlingswerk noch nicht komplett überzogen kann, ist Potenzial erkennbar.

Auf Netflix ist „Atlantique“ seit 29. November 2019 abrufbar.

Bilder: Les Films du Bal

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