Film-Entdeckungen Juli 2020

Was lohnte sich im Juli 2020? Kurzkritiken zu Entdeckungen auf MUBI, im Kino und in Mediatheken.

MUBI

Am 11. Juli startete „The Outsiders“ von Francis Ford Coppola: Ein Film über zwei Jugend-Gangs, der tief in die 1960er Jahre-Nostalgie eintaucht. Die Fußstapfen von James Dean als „Rebel without a cause“ und der „West Side Story“, denen er sichtlich nacheifert, sind ihm zu groß. „Outsider“ ist nur eine Fußnote im Gesamtwerk von Francis Ford Coppola und ein Auftragswerk, von dem er nicht allzu viel hielt. 

Der Film bekam schon zum Kinostart im Sommer 1983 negative bis mäßige Kritiken, wäre heute vergessen und nicht weiter bemerkenswert, wenn er nicht die filmhistorische, amüsante Gelegenheit böte, die Hollywood-Superstars der späten 1980er Jahre Patrick Swayze und Tom Cruise bei ihren ersten Gehversuchen und beim Posen in Nebenrollen zu beobachten.

Vorschaubild aus „The Outsiders“: STUDIOCANAL Home Entertainment

Noch bis Ende Juli ist das Drama „Der Elefantenmensch/The Elephant Man“ von David Lynch auf MUBI abrufbar. Dieser Lynch-Film ist ganz anders als seine surreal-rätselhaften Mystery-Filme, für die er heute berühmt ist. Damals, 1980, versuchte Lynch, sich in Hollywood zu etablieren, und machte einen Ausflug ins Mainstream-Kino.

„Der Elefantenmensch“ ist neben „The Straight Story“ (1999) sein wohl zugänglichster Film mit dem schnörkellosesten, klarsten Plot, der auf einer wahren Geschichte beruht: Im viktorianischen Zeitalter lebte John Merrick, der unter extremen Deformationen litt und als „Freak“ auf Jahrmärkten ausgestellt wurde, bis ihn der Arzt Frederick Treves im Krankenhaus in Obhut nahm. Der Film schildert, wie auch der Arzt Treves (gespielt von Anthony Hopkins vor seinem internationalen Durchbruch) zunächst vor allem ein voyeuristisches Interesse am „Elefantenmenschen“ hat und ihn als spannendes Forschungsobjekt sieht, das ihm wissenschaftlichen Ruhm einbringen kann, bevor er nach und nach erkennt, dass sich hinter dem abstoßenden Äußeren eine sensible Seele verbirgt.

Positiv hervorzuheben sind die Maske von Christopher Tucker, mit der er John Hurt in stundenlanger, täglicher Arbeit in die Titelfigur verwandelte. Sein Make-Up wäre absolut Oscar-würdig, die entsprechende Kategorie wurde aber erst ein Jahr später eingeführt, dieser Film gab den entscheidenden Anstoß dafür. Bemerkenswert ist auch, wie detailverliebt Lynch die victorianischen Kulissen in seinem ganz in Schwarz-Weiß gedrehten Film in Szene gesetzt. Negativ fällt allerdings auf, mit wie viel Kitsch und Sentimentalität sich Lynch in diesem Film an das Mainstream-Publikum heranschmiss. Trotz acht Oscar-Nominierungen ging der „Elefantenmensch“ 1981 leer aus.

Ebenfalls bs Ende Juli ist „Naked Lunch“ von David Cronenberg abrufbar. Der kanadische Experte für surreale Trips und avantgardistische Experimente präsentierte diese Adaption des Beat-Generation-Kultbuchs von William S. Burroughs im Berlinale-Wettbewerb 1992.

„Naked Lunch“ ist rätselhaft wie ein Drogen-Trip und schildert die Erlebnisse von William Lee, einem Alter ego von Burroghs, in der legendären „Interzone“ von Tanger, die von 1923 bis 1956 durch ihren völkerrechtlichen Sonderstatus für die damalige Zeit ungewohnte Freiräume für alternative Lebensentwürfe bot. Cronenberg mixt zahlreiche Motive aus der literatischen Vorlage mit Episoden aus dem Leben des Schriftstellers, der einige Jahre in Tanger lebte und dort an dem Buch arbeitete.

Eindrucksvoll sind die Schreibmaschinen, die sich zu sprechenden Kakerlaken und Käfern verwandeln und Lee alias Burroughs bei seinen halluzinierenden Schüben neue Anweisungen konkurrierender Geheimbünde geben. Regisseur David Cronenberg, seine Schwester Denise als Kostümdesignerin und sein Kameramann Peter Suschitzky übersetzen die literarischen, von Kafkas „Verwandlung“ inspirierten Motive in starke Bilder. Die 110 von Free-Jazz unterlegten suggestiven Film-Minuten schildern eine Welt, in der eine lesbische Haushälterin und ein mit Drogen dealender Arzt die Strippen ziehen, Escort-Boys als Lockvögel eingesetzt werden und in der Lee alias Burroughs immer tiefer versinkt.

Cronenberg legte in seiner Annäherung an den Autor und sein wichtigstes, gleich nach dem Erscheinen 1959 für einige Jahre verbotenes Werk zahlreiche Fährten, die für Literatur- und Kulturwissenschaftler reizvoll zu entschlüsseln sind: So erinnern z.B. Hank und Martin, die Lee aus seinem Wahn und seiner Sucht retten wollen, an die beiden mit Burroughs befreundeten Beat-Autoren Allen Ginsburg und Jack Kerouac oder das Ehepaar Tom und Joan Frost an Paul und Jane Bowles.

Eine Rarität ist der kurze Dokumentarfilm „Atlantique“ von Mati Diop aus dem Jahr 2009. Drei junge afrikanische Männer sitzen um ein Lagerfeuer, sprechen über die Gefahren der lebensgefährlichen Flucht auf Schlepperbooten und über die Perspektivlosigkeit in ihrer afrikanischen Heimat. Dazwischen sind die Szenen der Trauer eines Mädchens um ihren Freund geschnitten: für einen Protagonisten endete der Versuch, nach Europa zu kommen, tödlich.

Bemerkenswert ist der Kurzfilm vor allem, da er die Keimzelle für das gleichnamige Langfilmdebüt von Mati Diop war: dieser Mix aus Sozialdrama und surrealem Geister-Märchen wurde in Cannes 2019 mit einer Silbernen Palme ausgezeichnet.

Ab dem 28. Juli präsentiert MUBI in der Reihe „Junges Brasilianisches Kino“ das Sci-Fi-Drama „Once there was Brasilia/Era uma vez Brasília“ von Adirley Queirós, das 2017 in der Sektion „Signs of Life“ Premiere hatte und eine lobende Erwähnung der Jury bekam.

Der Film kommt als Low-Budget-Genre-Film daher: ein kettenrauchender, wie der „Guardian“ zurecht bemerkte an „Mad Max“ erinnender Outlaw wird von einem fremden Planeten auf eine Strafmission geschickt. Sein Ziel ist das Jahr 1961 und ganz konkret die Einweihung der neuen Regierungsgebäude, die Oscar Niemeyer für die neuee Hauptstadt Brasilia entworfen hat, die vom damaligen Präsidenten Kubitschek als großes Zukunftsprojekt gedacht war.

Stattdessen führt ihn eine Bruchlandung seiner schrottreifen Raumkapsel in einen verfallenen, unwirtlichen Vorort der Hauptstadt in der jüngsten Vergangenheit: er trifft auf andere Outlaws, manche apathisch angesichts der Dauerkrise in dem lateinamerikanischen Land, andere rebellisch.

Der dystopische, düstere Film ist äußerst langsam und spröde erzählt und funktioniert als Genre-Film nicht besonders gut. Interessant und bemerkenswert wird er erst durch den politischen Hintergrund, den der Regisseur und seine Figuren explizit ansprechen: Der Film entstand unter dem Eindruck der Proteste gegen die Korruption und die umstrittene Amtsenthebung gegen Präsidentin Dilma Roussef durch ihren kurzzeitigen Nachfolger Michel Temer.

„Once there was Brasilia“ reiht sich ein in die zahlreichen aktuellen brasilianischen Film-, Theater- und Tanzproduktionen, die sich sehr dezidiert mit den politischen Missständen befassen.

In Brasilien hat sich die Situation seit den im Film reflektierten Ereignissen noch deutlich verschlimmert: Auf Temer folgte mit Jair Bolsonaro ein brandgefährlicher misogyner, homophober, rechtspopulistischer Reaktionär folgte, dessen Herrschaft und toxische Brutalität in der Parabel „Bacarau“ oder in den beiden Choreographien „A invenção de maldade“ („Die Erfindung der Boshaftigkeit“) von Marcelo Evelin/Demolition Incorporada als auch „Furía“ („Wut“) von Lia Rodrigues thematisiert werden. Im Vergleich zu diesen beiden Choreographien, die 2019 im HAU gastierten, wirkt dieser Low-Budget-Film wesentlich unterkühlter und auch künstlerisch weniger interessant.

Im Kino

Im Juli laufen endlich die beiden prestigeträchtigen deutschen Produktionen, die im Februar im Wettbewerb der Berlinale im Rampenlicht standen, ihren geplanten Kinostart wegen Corona um mehrere Monate verschieben mussten: Christian Petzolds „Undine“, das romantische Märchen-Stoffe mit einer Reflexion über den Umbau des Zentrums von Berlin verknüpft, und Burhan Qurbanis elegisches, drei Stunden langes Melodram „Berlin Alexanderplatz“, das Döblins Roman-Vorlage aus der Weimarer Republik in die Gegenwart verlegt.

Unmittelbar nach dem internationalen Frauentag gestartet und gleich vom Lockdown ausgebremst, bekam „Die perfekte Kandidatin“, politisch engagiertes Kino aus Saudi-Arabien eine zweite Chance.

Mit dem packenden Drama „Waves“ über die Katastrophe einer afroamerikanischen Mittelschichtsfamilie machte der erst 31 Jahre junge Regisseur Trey Edward Shults auf sich aufmerksam.

Enttäuschend war die französische Komödie „Sibyl“ von Justine Triet, die ebenfalls am 16. Juli startete. Trotz hochkarätiger Besetzung bis in die Nebenrollen mit Sandra Hüller, Adèle Exarchopoulos oder Gaspard Ulliel kommt der Film nicht über eine fade Selbstbespiegelung einer neurotischen Psychotherapeutin hinaus. Die Titelfigur Sibyl (Virginie Efira) ist vor allem mit ihren eigenen Komplexen und Defiziten beschäftigt und nutzt die Lebensbeichten der Klientinnen in ihrer Praxis als Romanstoff. Der zäh vor sich hindümplnde Plot steuert darauf zu, dass Sibyl in ein wegen amouröser Konflikte und psychologischer Diskrepanzen aus dem Ruder laufendes Filmprojekt hineingezogen wird und dort schließlich auch bei der Regie einspringen muss. Der Film konkurrierte im Wettbewerb von Cannes 2019 und ging dort zurecht leer aus.

Ab 23. Juli ist „Als wir tanzten“, der erste queere Film aus Georgien, zu erleben, der sich vor allem wegen der Entdeckung Levan Gelbhakiani lohnt.

Ebenfalls am 23. Juli brachte Grandfilm den Dokumentarfilm „What you gonna do when the world´s on fire?“ ins Kino. Roberto Minervini beschreibt eindringlich die Wut und den Schmerz der Black Lives Matters Bewegung: 2017 begleitete er einige Monate lang schwarze Protagonisten in Louisiana und dokumentiert Aktionen der New Black Panther Party for Self-Defense, die sich nach Massakern des Ku-Klux-Klans und rassistischer Polizeigewalt formierten.

Die Protagonist*innen ließen den Dokumentarfilmer, der ursprünglich eine Hommage an die Südstaaten-Musik drehen wollte, erstaunlich nah an sich heran. Der Regisseur verzichtet auf jeden Off-Kommentar und jede Einordnung, es wird aber sehr deutlich, auf welcher Seite er steht. Eindrucksvolle Szenen wechseln sich mit langatmigen Schilderungen von Alltags-Banalitäten. Mit etwas mehr als zwei Stunden ist der Film insgesamt etwas zu lang geraten.

„What you gonna do when the world’s in fire“ ist einer der seltenen Fälle, in denen ein essayistischer Dokumentarfilm in den Wettbewerb eines A-Festivals eingeladen wird: seine Premiere war in Venedig 2018.

Eine weitere politisch engagierte Dokumentation ist „La cordillera de los sueños/Die Kordillere der Träume“: Patricio Guzmán schließt nach „Der Perlmuttknopf“ (Berlinale-Wettbewerb 2015) seine Trilogie über die jüngere Geschichte Chiles ab. Sein Film beginnt im Stil einer Naturdokumentation: zu den eindrucksvollen Bildern der Gebirgskette steuern einige Künstler und Intellektuelle, die mit Guzmán befreundet sind, ihre – zum Teil mystisch angehauchten – Bemerkungen über das Anden-Massiv bei.

Erst langsam tastet sich das essayistische Werk zu seinem Kern vor: zum Grauen der Militärdiktatur von Augusto Pinochet (1973-1990). Herzstück des Films sind die authentischen Aufnahmen aus dem privaten Archiv von Pablo Salas: Während Guzmán nach kurzer Haft ins Exil nach Europa entkommen konnte, blieb Salas in Chile und filmte die Übergriffe der Junta, die Proteste dagegen und die Spuren, die Pinochets Diktatur bis heute hinterlassen hat.

Guzmán ruft die Berge mit einer gehörigen Portion Pathos als stumme Zeugen der Verbrechen des Regimes an und zieht eine wichtige Querverbindung zwischen den Kordilleren und der Junta: Die zentrale These von Guzmán und Salas ist, dass das Regime zwar abgedankt hat, aber die enorme soziale Ungleichheit und der Ausverkauf der Bodenschätze, die Pinochet eingeleitet haben, bis heute unverändert fortwirken. Pinochet und seine Anhänger waren besessen von der Idee, dass sie die Experimente eines demokratischen Sozialismus von Salvador Allende mit einem Militärputsch stoppen und nach der neoliberalen Chicago-Schule das Land für internationale Investoren öffnen müssen. Symbolbild dafür sind die tiefen Kerben, die internationale Konzerne in die Anden geschlagen haben, um auf ihrem Privatgrund die Rohstoffe abzubauen.

Der von arte koproduzierte, ästhetisch aber recht konventionelle Dokumentarfilm legt den Finger in diese Wunden, wurde in Cannes 2019 mit dem Preis für die beste Dokumentation ausgezeichnet und vom Trigon Verleih am 16. Juli 2020 in die Kinos gebracht.

Gero von Boehm kratzt in seiner Hommage „Helmut Newton – The Bad and The Beautiful“ (Kinostart: 9. Juli) nur an der Oberfläche und lässt prominente Frauen wie Grace Jones, Isabella Rossellini, Hanna Schygulla und Charlotte Rampling in kurzen Soundbites von der Zusammenarbeit mit Helmut Newton schwärmen. Dazwischen sind auch einige O-Töne des 2004 bei einem Unfall verstorbenen Fotografen und seiner Frau June geschnitten.

Leider geht der Film den interessanten Spuren des Archiv-Materials nicht nach. Die Konfrontation zwischen Helmut Newton und Susan Sontag bei einem gemeinsamen TV-Auftritt darüber, ob seine Aufnahmen frauenverachtend oder empowernd sind, wird nicht weiter verfolgt.

Deshalb hat der Film außer einer sehenswerten Werkschau seiner ikonischen Aufnahmen wenig zu bieten und bleibt bei der wehmütigen Erinnerung eines Freundes an seinen verstorbenen Wegbegleiter stehen, ohne das Werk zu analysieren und Querverbindungen zu ziehen.

Bereits für März war der Kinostart von „Richard Jewell“ geplant. Der alte Haudegen Clint Eastwood erzählt in diesem Drama nach einer wahren Begabenheit wieder einmal die Geschichte des aufrechten „kleinen Mannes“, der von den anderen als Außenseiter belächelt wird, dem schweres Unrecht widerfährt, der sich am Ende aber doch durchsetzt.

Richard Jewell (hervorragend verkörpert von Paul Walter Hauser in seiner ersten großen Rolle) schlug sich mit diversen Security-Jobs durchs Leben und wohnte noch bei seiner Mutter, als er 1996 als Sicherheitsmann bei den Olympischen Spielen in Atlanta bei den Konzerten im Centennial Park helfen durfte. Als er eine Bombe entdeckte, konnte diese zwar nicht mehr entschärft werden, aber er wurde einige Stunden lang als Held gefeiert. Schnell kamen aber Zweifel auf: Hat er die Bombe selbst gelegt? Das FBI nimmt Ermittlungen auf und die klischeehaft überzeichnete, publicity-süchtige Journalistin der Lokalzeitung heizt die Stimmung zusätzlich an.

Zu vieles passt zu gut, so dass sich die Vorwürfe erhärten und den unbeholfenen Mann und seine ebenfalls klischeehaft gezeichnete Mutter zu überrollen drohen. Mit Hilfe eines eigentlich auf Immobilienrecht spezialisierten Anwalts, den Jewell von einer frühen Berufsstation kennt, kann Jewell sein Recht erkämpfen und sich rehabilitieren. Jahre später wurde der wahre Täter verurteilt, nach vielversprechenden Ansätzen steuert das Drama zu sentimental auf sein Happy-End zu.

In den Mediatheken

„Eye in the sky“ ist der überzeugende Versuch, die moralischen Dilemmata der gezielten Tötung durch Drohnen in einem Thriller fürs Mainstream-Kino zu verhandeln. Der Plot verhandelt die klassische Frage: Darf man einen Menschen gezielt töten, um damit andere Leben zu retten? Ist das Leben eines einzelnen Menschen, in diesem Fall eines kleinen Mädchens, genauso viel wert wie das von achtzig Menschen, die vermutlich bei einem unmittelbar bevorstehenden Anschlag getötet würden? Kann man den einen Tod vertreten, wenn damit vielleicht sehr viele Unschuldige bewahrt werden?

Gavin Hood hat die packend erzählte Geschichte so konstruiert und zugespitzt, dass sie ihre maximale Wirkung erzielt. Nur an wenigen Stellen droht „Eye in the Sky“ zu plakativ zu werden.

Hervorzuheben sind auch die starke Besetzung mit Helen Mirren (als Offizierin Katherine Powell und Leiterin des Anti-Terror-Einsatzes), Aaron Paul (als Drohnenpilot) und Alan Rickman (als General im War Room mit den Ministern) in einer seiner letzten Rollen. Trotz dieses prominenten Casts schaffte es der Film nach der Toronto-Premiere 2015 nicht in die deutschen Kinos, ist aber derzeit auf Sky abrufbar und läuft auch regelmäßig im öffentlich-rechtlichen TV, das nächste Mal am 10. August im SWR.

Bis 20. Juli kann man in der arte-Mediathek „Cemetry of Splendour“ von Apichatpong Weerasethakul sehen: Sehr meditativ erzählt der Regisseur von Soldaten, die unter einer rätselhaften Schlafkrankheit leiden und in einer provisorisch zum Krankenhaus umgebauten Schule liegen. Das spiritistische Medium Keng nimmt Kontakt zu den Kranken auf und erklärt der Pflegerin Jen, dass geheimnisvolle Kräfte wirken. Die Schule ist über einem Friedhof der Könige erbaut. Der Film, der 2015 in der Sektion Un certain regard in Cannes lief, ist in seiner Langsamkeit ermüdend und wegen seiner Verquastheit polarisierend.

Einen Tag länger, bis 21. Juli, lässt sich in der arte-Mediathek die isländische Komödie „Gegen den Strom“ streamen, die von einer Öko-Terroristin erzählt. Der Film ist ein unterhaltsames Katz-und-Maus-Spiel voller skurriler Wendungen und Nebenfiguren.

Im TV

Bereits zum dritten Mal zeigt der rbb in den Sommerwochen jeweils Donnerstags kurz vor Mitternacht queere Filme, die meist zum ersten Mal im TV zu sehen sind. Ein Highlight der Reihe war am 16. Juli die brasilianische Coming of Age-Geschichte „Heute gehe ich allein nach Hause/Hoje Eu Quero Voltar Sozinho“ von Daniel Ribeiro, die 2014 den Teddy der Berlinale gewann. Ganz unaufgeregt erzählt dieser schöne, kleine Film vom blinden Jungen Leo (Ghilherme Lobo), der sich von seinen überfürsorglichen Eltern lösen und selbständiger werden möchte.

Bild: Edition Salzgeber

Dieser Erzählstrang wird mit der Liebesgeschichte verknüpft, die sich sehr vorsichtig zwischen Leo und seinem neuen Mitschüler Gabriel (Fabio Audi) entwickelt. Der Film ist leider nicht in der Mediathek abrufbar, aber bereits 2015 auf DVD bei der Edition Salzgeber erschienen.

Ebenfalls erstmals im TV lief „Viva“, ein Publikumsliebling der Festivals in Telluride 2015 und Sundance 2016. Der irische Regisseur Paddy Breathnach drehte seinen Film über einen Vater-Sohn-Konflikt an Original-Schauplätzen in Havanna auf Spanisch: Mit Witz und Charme, aber stellenweise etwas zu sentimental erzählt „Viva“ vom Konflikt und der Annäherung zwischen einem cholerisch-brutalen Ex-Boxer und der jungen Drag-Queen. Die beiden starken Hauptdarsteller sind Jorge Perugorría als Vater Angel (er wurde 1992 als Diego in „Erdbeer und Schokolade“ bekannt) und Héctor Medina als sein Sohn Jésus.

One thought on “Film-Entdeckungen Juli 2020

  1. Sandy Reply

    Vielen Dank für kurze Rezensionen zu diesen Filmen. Ich habe mich gefragt, ob es Neuerscheinungen gibt, die es wert sind, angeschaut zu werden. Ich habe sicherlich eine Menge aus diesem Artikel gelernt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.