Ultraworld

Es kommt selten vor, dass die Premierentermine an großen Berliner Häusern miteinander kollidieren. Am 16. Januar war dies der Fall: Berliner Ensemble und Volksbühne luden zu neuen Inszenierungen preisgekrönter Regisseurinnen für denselben Abend ein. Dabei handelte es sich jedoch um zwei Arbeiten und Regiestile, die kaum weiter von einander entfernt sein könnten und dementsprechend sehr unterschiedliche Segmente des Theater-Hauptstadtpublikums ansprechen.

Am BE ließ Andrea Breths in Yasmina Rezas „Drei Mal Leben“ zwei Ehepaare aufeinanderprallen: ein Stoff, der in der gehobenen Mittelschicht spielt und das Herz des Stadttheater-Abopublikums höher schlagen lässt, in den vergangenen zwanzig Jahren seit der Uraufführung jedoch deutlich Patina angesetzt hat. Breth inszenierte den Abend sehr bieder, auch die Starbesetzung brachte ihn nicht zum Funkeln.

Etwas weiter östlich luden Susanne Kennedy (Regie/Text) und Markus Selg (Bühne) zu einem „Ultraworld“-Trip ein: Mit technischer Raffinesse, avantgardistischem Anspruch und vollgepackt mit New Age- und Esoterik-Sprüchen zielt dieser Abend vor allem auf Technik-Nerds und Game-Ästhetik-Fans.

Wie von Kennedy gewohnt, schickt sie ihren Hauptdarsteller Frank Willens, der in der kurzen Dercon-Ära Ensemble-Mitglied am Haus war, in einen ständigen Loop. Die Welt ist zur Wüste verdorrt, für Frau und Kind soll er bei den Nachbarn um Wasser betteln. Aber wie eine eintönige Wüste fühlt sich auch dieser „Ultraworld“-Abend ein.

Mahnend tönt die Stimme von Kate Strong vom Band, dass Frank innerlich leer werden, zu sich selbst finden und neu sehen lernen müsse. Der einzige Weg hinaus, sei der Weg hinein, schallt es uns in Kennedy-typischer Playback-Manier entgegen.

Die ewige Wiederkehr des Gleichen, die sprichwörtliche Schlange, die sich in den Schwanz beißt, beschwört Kennedy in ihrer zweistündigen Arbeit, die bleiern und ohne jede Energie auf der Stelle tritt. „Ultrawold“ verschanzt sich hinter seiner technischen Perfektion und bietet außer raunenden Kalendersprüchen nur Meta-Quäl-Theater.

Update: Die Inszenierung wurde für das Theatertreffen 2020 diskutiert, schaffte es aber nicht in die 10er-Auswahl.

Bilder: Julian Röder

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