Berlinale Perspektives Deutsches Kino 2020

Ein kurzer Überblick über einige Spielfilme aus der „Perspektive Deutsches Kino“, die – als Vermächtnis der Ära des ehemaligen Berlinale-Chefs Dieter Kosslick, junge deutsche Filme-Macher*innen und ihre Themen vorstellen:

„Kids Run“ von Barbara Ott

Zur Eröffnung dieser Berlinale-Nebenreihe stellte Barbara Ott ihr Langfilm-Debüt „Kids Run“ im Kino International vor. In düsteren, verwaschenen Bildern schildert diese Studie ein düsteres Milieu. Aus dem Plot um Leiharbeiter Andi, der unter Druck steht, weil ihm die Schulden über den Kopf wachsen und er für seine Kinder von drei verschiedenen Frauen nicht aufkommen kann, hätte auch ein interessanter Thriller-Genre-Film werden können.

Stattdessen entschied sich die Regisseurin dafür, ihren Stoff als Milieustudie zu erzählen: das Sozialdrama entwickelt sich sehr verhalten, das dramatische Potenzial wird nicht ausgeschöpft. Zu sehr ist „Kids Run“ auf den Hauptdarsteller Jannis Niewöhner zugeschnitten, der den Film allein nicht tragen kann. In einer bemerkenswerten Nebenrolle taucht Carol Schuler, sonst vor allem als Komödiantin aus der Herbert Fritsch-Familie auf: ihre Figur, eine der Ex-Frauen von Andi, ist noch kaputter als er selbst.

Für den Mitternachts-Sendeplatz „Das kleine Fernsehspiel“ im ZDF ist „Kids Run“ geeignet, darüber hinaus entfaltet es jedoch zu wenig Strahlkraft.

„Ein Fisch, der auf dem Rücken schwimmt“ von Eliza Petkova

Dieses sensible, etwas spröde Kammerspiel ist der zweite Langfilm von Eliza Petkova. Wie auf Valium wirken die drei wortkargen Figuren, die in einer Villa zunächst mehr aneinander vorbeileben als aufeinander zu reagieren. Sohn Martin (Volksbühnen-Ensemble-Mitglied Theo Trebs) steckt mitten in der Trauer um seine tote Mutter, Vater Philipp (Henning Kober) hat sich eine neue Freundin (Nina Schwabe) gesucht, die in die leeren, wohlstandsverwahrlosten Räume einzieht.

Nina Schwabe und Theo Trebs, © Constanze Schmitt/dffb

Zwischen dem Trio entspinnt sich ein klassisches, handwerklich tadellos erzähltes Eifersuchts-Dreiecks-Geflecht: der Sohn verliebt sich heimlich in dieselbe Frau wie sein Vater. Martin kommt aus seiner Lethargie und beginnt, mit manipulativen Tricks den Rivalen auszubooten und Mitwisser*innen seiner heimlichen Affäre kaltzustellen.

„Schlaf“ von Michael Venus

Auch „Schlaf“ von Michael Venus wurde von der ZDF-Reihe „Das kleine Fernsehspiel“ koproduziert. Die Besetzung hat jedoch deutlich mehr Glamour als andere Filme, die auf diesem verdienstvollen Experimentierfeld zu nachtschlafender Zeit zu sehen sind: Mit Sandra Hüller und Gro Swantje Kohlhof haben immerhin die amtierende Schauspielerin und Nachwuchs-Schauspielerin des Jahres die Hauptrollen übernommen.

Die Grundidee des Films klingt noch vielversprechend: Die Mutter (Hüller) wird von Albträumen geplagt, die von ihrer fürsorglichen Tochter (Kohlhof) als Symptome einer Schlaf-Apnoe rationalisiert werden, und macht sich deshalb auf in das Dorf Stainbach im Harz.

Sandra Hüller in Schlaf; © Marius von Felbert/Junafilm

Der Film ist jedoch zu sehr überfrachtet und verhebt sich daran, Mystery-Grusel mit NS-Schuld, Vergangenheitsbewältigung und verdrängten Familien-Traumata zu einem stimmigen Ganzen zu verweben.

Über die letzte Premiere der Sektion, die Hommage „Wagenknecht“, habe ich hier ausführlicher geschrieben.

Vorschaubild: Jannis Niewöhner in „Kids Run“, © Falko Lachmund/Flare Film

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