Irradiés

88 Minuten lang konfrontiert Rithy Panh das Publikum mit dem geballten Grauen des Krieges. Die Opfer in den KZs, die explodierenden Atombomben in Hiroshima und Nagasaki, der Genozid von Ruanda, Hitler, Stalin, Mao und Pol Pot. Schreckensbild wird an Schreckensbild gereiht, alle Verbrechen und Gräuel ahistorisch auf eine Stufe gestellt.

In seinem Essayfilm „Irradiés“ wird kaum analysiert, dafür umso mehr poetisch geraunt. André Wilms, der auch als Vater des Narzissten Luc in „Le Sel des larmes“ in diesem Berlinale-Wettbewerb vertreten war, und Rebecca Marder wechseln sich als Off-Sprecher*innen ab und mahnen das Publikum, bloß nicht wegzusehen.

Der Erkenntnisgewinn dieser Collage des Grauens ist gering: dass Kriege schrechlich und grausam sind, ist eine ebebso richtige wie banale Erkenntnis.

Mit seinem neuen, enttäuschenden Werk bleibt Panh weit hinter der poetischen Kraft und cineastischen Brillanz von „L´image manquante“ zurück, mit dem er 2013 bei der „Un certain regard“ in Cannes und beim „Around thre World in 14 films“-Festival beeindruckte. In diesem wesentlich fokussierteren und zugleich vielschichtigeren Werk reflektierte er mit kunstvollen Holzpuppen über sein Lebensthema, den Genozid von Pol Pot in seinem Heimatland und über die Aufarbeitung historischer Verbrechen.

Obwohl es in anderen Sektionen stärkere Dokumentarfilme gab, wurde „Irradiés“ mit dem Dokumentarfilmpreis des rbb ausgezeichnet.

Bild: Rithy Panh

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