Rizi

Altmeister Tsai Ming-Liang hatte seine große Zeit in den 90er Jahren: in Venedig gewann er mit „Vive l´armour“ den Goldenen Löwen, drei Mal in kurzer Zeit war er während der Ära von Chatrians Vor-Vorgänger Moritz de Hadeln zur Berlinale eingeladen und gewann 1997 einen Silbernen Bären für „The River“.

Ganz ohne ein gesprochenes Wort kommt sein neuer Film „Rizi/Days“ aus. Bereits die erste Einstellung wirkt wie eine klischeehafte Parodie auf das Autorenkino: Ming-Liangs seit Jahrzehnten verbundener Hauptdarsteller Lee Kang-Sheng sitzt verloren hinter einer Glasfront und starrt hinaus ins Leere.

Damit setzt er auch den Ton für den Rest der 127 Minuten. In sehr getragenem Tempo folgt die Kamera dem alten Mann Kang (Lee Kang-Sheng) und dem jüngeren Non (Anong Houngheuangsy) bei ganz alltäglichen Verrichtungen. Im letzten Drittel des Films treffen sich die beiden in einem Hotelzimmer: Kang hat das Geld bereit gelegt und lässt sich von dem Sexarbeiter mit einer erotischen Massage verwöhnen, die sehr dezent gefilmt ist. Zum Abschied schenkt er ihm eine Spieluhr.

Der Film endet damit, dass beide wieder ihrer Wege gehen: einsam wie eh und je in der Tristesse der Großstadt.

Ming-Liangs Alterswerk ist sehr betulich-langatmiges Kunstkino, das mehr als einmal unfreiwillig den schmalen Grat zur Selbstparodie überschreitet.

Der Teddy-Jury zeichnete „Rizi“ dennoch mit einem Special Award aus, was sicher auch als eine Anerkennung für das Lebenswerk des Regisseurs zu verstehen ist.

Bild der Hauptdarsteller Anong Houngheuangsy, Lee Kang-Sheng: © Homegreen Films

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