Wien ohne Wiener

Vom Shutdown einer Stadt fabulieren die Puppen in der ersten Szene dieses Georg Kreisler-Liederabends, den Nikolaus Habjan und die Tiroler Franui-Musiker mit dem Ensemble des Wiener Volkstheaters 2017 einstudiert haben.

Was damals wie ein böser Witz und besonders makabrer Kreisler-Einfall wirkte, ist in Zeiten der Corona-Pandemie gar nicht so weit von der Realität entfernt. Bekanntlich wurde die chinesische Metropole Wuhan tatsächlich wochenlang abgeriegelt: keiner durfte hinein oder heraus. Und auch in den westlichen Großstädten ist das Alltags-Leben bis auf ein Minimum heruntergefahren: der österreichische Kanzler Sebastian Kurz tat sich hier mit besonders strengen Maßnahmen hervor.

Im Lauf des „Wien ohne Wiener“-Abends ist zwar an anderer Stelle auch von einem Virus die Rede, die Abriegelung der Stadt in der ersten Szene hat aber andere Gründe: die grantelnden Wiener wollen einfach unter sich sein und haben keine Lust mehr auf die Touristen-Massen, die sich durch Hofburg, Prater und Stephansdom.

Prophetisch-makaber wirken auch die Zeilen „Und’s Burgtheater zu –
Es wär herrlich, wie schön Wien dann wär!“ Sie stammen aus dem Song „Wien ohne Wiener“, einer ätzenden Messer-Mord-Phantasie von Georg Kreisler an den Mitbürger*innen, in der Kreisler davon träumt, seine Heimatstadt für sich allein zu haben. Diesem Chanson verdankt auch die kabarettistische Revue ihren Titel.

Der – inklusive Zugaben – knapp zweistündige Abend ist eine unterhaltsame Collage aus bekannten und weniger bekannten Kreisler-Songs, bei dem natürlich auch sein berühmtes Chanson vom Taubenvergiften im Park nicht fehlen darf.

Den Charme der Inszenierung machen aber vor allem die Puppen aus, die Habjan mit den Schauspieler*innen interagieren lässt. In Österreich ist er ein gefragter Regisseur, in Deutschland leider noch kaum bekannt. Ihr Granteln, ihr Wiener Schmäh und ihre Parodie auf die Bürokratie geben der Revue die nötige Würze, die sonst nicht über einen konventionellen Liederabend hinauskäme.

Die Inszenierung ist leider nicht mehr im Repertoire des Volkstheaters Wien, war aber am Karsamstag/Ostersonntag noch mal im Online-Spielplan des Hauses zu erleben.

Bilder: © www.lupispuma.com / Volkstheater

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