Tatort: Die Zeit ist gekommen

Regisseur Stephan Lacant und Schauspieler Max Riemelt sind ein Dream Team. Ihr Polizisten-Drama „Freier Fall“ war in der Perspektive Deutsches Kino ein Highlight der Berlinale 2013.

Die Erwartungen waren deshalb hoch, als die beiden erneut zusammenarbeiteten. Lacant führte erstmals Regie in einem „Tatort“, Riemelt übernahm die Episoden-Hauptrolle des Kleinganoven Louis Bürger, der nur zur Bewährung aus der Haft entlassen wurde. Vielversprechend klang auch die Ankündigung, dass Anita Vulesica mitspielte, die im Ensemble des Deutschen Theaters Berlin mit ihrem komödiantischen Talent glänzte und mit ihrem Leipziger Theater-Gastspiel „Süßer Vogel Jugend“ gerade erst zum Theatertreffen eingeladen wurde.

Doch kaum sind die Figuren eingeführt, entspinnt sich ein Geisel-Drama mit vielen kruden Logik-Löchern, die Matthias Dell auf ZEIT Online erbarmungslos auseinandernahm. Vulesica ist in der Rolle der Leiterin des Jugendheims, in dem Bürgers Sohn nach Drogen-Exzessen seiner Eltern untergebracht wurde, und Opfer einer Geiselnahme maßlos unterfordert. Riemelt hat die dankbarere Rolle, darf als verzweifelter Vater, der gegen falsche Vorwürfe und um seinen Sohn kämpft, wenigstens ein paar Mal sein schauspielerischer Können aufblitzen lassen, das er zuletzt auch in „Kopfplatzen“ demonstrierte.

Max Riemelt, Katia Fellin, Emil Belton

„Die Zeit ist gekommen“ nimmt zwar mehrfach Anlauf, den Genre-Plot der klassischen Konfrontation zwischen SEK und Geiselnehmer mit neuer Dramatik aufzuladen, versiebt dabei aber zu viele Standardsituationen, wie Dell zurecht ätzte. Nachdem die klassischen 90 Minuten abgelaufen sind, ist leider immer noch nicht klar, für wen oder was die Zeit in diesem Sonntags-Krimi abgelaufen sind.

Das Dresdner Ermittler-Team um Karin Gorniak (Karin Hanczewski), Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) und Dienststellenleiter Peter Schnabel (Martin Brambach) gehörte schon bisher nicht zu den Aushängeschildern der „Tatort“-Reihe und lieferte auch diesmal nur Mittelmaß.

Bilder: MDR/W&B Television/Michael Kotschi

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