Vernon Subutex

Mit einem besonders dicken Brocken beendete Nachtkritik seinen Corona-Streaming-Spielplan: 1.200 Seiten stark ist die „Vernon Subutex“-Romantrilogie von Virginie Despentes, mehr als vier Stunden dauert die Adaption von Alexander Eisenach, mit der das Schauspielhaus Graz die Spielzeit im September 2019 eröffnete.

Wie schon bei Stefan Puchers Inszenierung an den Münchner Kammerspielen zieht sich die Exposition der Figuren in die Länge. Das siebzehnköpfige Ensemble des Abends stellt sich in kleinen Szenen vor, die zu sehr aneinandergestückelt werden. „Vernon Subutex“ ist ein Abend, der viel Kraft und Konzentration erfordert, um in dem Wimmelbild der Figuren den Überblick zu behalten.

In der zweiten Hälfte dominieren die Gruppenszenen, die Aufführung wird atmosphärisch dichter und bietet einen panorama-artigen Streifzug durch Phänomene, die die französische Gesellschaft und Kultautorin Despentes umtreiben: Roman-Vorlage und Theater-Adaption erzählen vom Alltags-Rassismus, vom Islamismus, von queeren Lebensentwürfen, von radikalem Feminismus. Begleitet von viel Live-Kamera-Einsatz und Musik säumen die schillernden Gestalten den Weg der Titelfigur, die Norbert Wally von der Grazer Indie-Rock-Band The Base verkörpert.

Ähnlich wie in einer Castorf-Inszenierung wechseln sich Leerlauf und eindrucksvolle Momente an diesem sehr langen Abend ab. Dabei nimmt der Regisseur Eisenach seine Figuren ernst und verfällt weniger oft in Slapstick als in seinen Berliner Arbeiten.

Bild: Lex Karrely

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