Brexit – Chronik eines Abschieds

Im Januar 2019 steckten Großbritannien und die EU mitten in dem Schlamassel, das David Cameron mit seiner Zusage eines Brexit-Referendums angerichtet hatte. Westminster war handlungsunfähig, Theresa May schleppte sich dem Ende ihrer Amtszeit entgegen, die Dauer-Loop-Schleifen in den Verhandlungen zwischen Brüssel und London wurden von der Öffentlichkeit nur noch mit genervtem Kopfschütteln und Spott quittiert.

Damals veröffentlichten der britische Channel 4 und das US-amerikanische HBO das TV-Drama „Brexit – The uncivil war“, in dem Regisseur Toby Haynes und Drehbuchautor James Graham die Kampagnen der Brexiteers und Remainers nachzeichnen. Natürlich: in den 95 Minuten wird vieles vereinfacht, einige Akteure wie der Innenminister Michael Gove oder der heutige Premier Boris Johnson kommen nur als Karikaturen vor, aufmerksame Zeitungsleser erfahren wenig Neues. Aber dem Brexit-Drama ist zugute zu halten, dass es sehr plastisch aufzeigt, was der zentrale Grund für den überraschenden Sieg des „Leave“-Lagers war. Somit ist dieser Film ein guter Einstieg ins Thema und ist als interessantes Zeitdokument auch für die nächste Generation wertvoll.

Benedict Cumberbatch als Dominic Cummings

„Take back control“ lautete der genial-eingänge Slogan, der den Nerv der Menschen traf, die sich abgehängt fühlten und das Vertrauen in die Politik verloren hatten. Dominic Cummings, hierzulande kaum bekannt, wird als Mastermind dieser Kampagne vorgestellt: er wird als Nerd gezeichnet, als Außenseiter, manisch, einer, der es endlich dem Establishment zeigen will. Skrupellos setzt er alle Mittel ein, schließt einen Pakt mit Cambridge Analytica, so dass die Unentschiedenen passgenaue Postings in ihre Facebook-Timeline gespült bekommen. Cummings ist eine typische Benedict Cumberbatch-Figur, auf den dieser Film zugeschnitten ist.

Zwei Jahre später läuft „Brexit – Chronik eines Abschieds“ erstmals im deutschen TV: nach der One-Ausstrahlung am Karsamstag ist der Film noch bis 3. Mai 2021 in der ARD-Mediathek. Großbritannien und die EU haben ihre Scheidung nach vielen Blessuren zum Jahreswechsel vollzogen. Das hohe Impftempo auf der Insel und der verstolperte Impfstoff-Kauf, bei dem Ursula von der Leyen und Jens Spahn dilettierten, ist Wasser auf die Mühlen der Brexiteers.

Bilder: WDR/Channel 4/House Productions

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