Die Politiker

Als atemlose Solo-Nummer hetzte Cordelia Wege zum Spielzeitauftakt 2019 durch das Langgedicht „Die Politker“, ein assoziatives, lautmalerisches, teils dadaistisches Kabinettstückchen, das am Ende eines langen, zähen „Lear“-Abends von Sebastian Hartmann die Stimmung im Saal des Deutschen Theaters Berlin etwas aufhellte.

Knapp zwei Jahre später streamte das Thalia Theater Hamburg eine „Politiker“-Inszenierung live von der kleinen Bühne in der Gaußstraße/Altona: auf sieben Spieler*innen wird der Text aufgeteilt, häufig chorisch und nicht im Schnellfeuergewehr-Tempo von Frau Wege gesprochen.

Im Halbdunkel sitzen Sandra Flubacher, Pascal Houdus, Oliver Mallison, Björn Meyer, Toini Ruhnke, Merlin Sandmeyer und Philipp Plessmann zunächst wie um ein Lagerfeuer auf der Bühne und raunen beschwörend die ersten Zeilen des Textes von Wolfram Lotz.

Die folgenden knapp 90 Minuten werden durch einige Evergreens vom Italo-Pop-Klassiker „Volare“ über den Seventies-Hit „Moviestar“ von bis „All I have to do is dream“ von Roy Orbison aus den 1950ern sowie O-Tönen mit der schneienden Stimme von AfD-Fraktionschefin Alice Weidel bei einer ihrer Tiraden gegen Angela Merkel und ihre Politik der letzten 16 Jahre aufgelockert. Begleitet von zahlreichen Kostümwechseln und kleinen szenischen Späßen bekommt das Publikum vor allem Lotz pur geboten.

Das Langgedicht allein trägt aber noch keinen Theaterabend.

Bild: Emma Szabó

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