Das hässliche Universum

Vier Ikonen aus Popkultur, Filmgeschichte und Malerei begrüßen das Publikum zu einer launigen, apokalyptischen Revue: Freddie Mercury (Vincent Sauer), Frida Kahlo (Nina Steils), Marilyn Monroe (Anne Stein) und Brad Pitt (als Achill aus „Troja“, Silas Breiding) haben in Corona-bedingt weitem Abstand auf der Bühne des Münchner Volkstheaters Platz genommen. Mit präzise choreografiertem Sprechgesang, Improvisationen und Pop-Nummern von Blur bis Tokio Hotel erzählen sie vom Aufstand, der von einer mysteriöseren Rosa angeführt wird, von einem Attentat auf die Kanzlerin und dem Untergang der Konsum-Welt.

Ende Juli 2020 hatte Sapir Hellers Inszenierung im Hof vor dem Münchner Volkstheater: als Pionier-Arbeit von Christian Stückl und seinem Team, die ihren Urlaub so verlegten, dass sie in dem kurzen Sommer zwischen erster und zweiter Corona-Welle ihr Publikum mit vier Premieren kurz nacheinander unterhalten konnten. Zu dieser Stimmung des Aufatmens, zu einem lauen Sommerabend, an dem endlich wieder Theater möglich war, passt diese muntere Revue sehr gut.

Silas Breiding, Anne Stein

Die Spielfreude des Ensembles und die Songs können die Schwächen von Laura Naumanns Text aber nur zum Teil überdecken. 2017 wurde „Das hässliche Universum“ in den Frankfurter Kammerspielen uraufgeführt und zu den Autorentheatertagen ans DT Berlin eingeladen: recht konturlos mäandert der Text, als „angestrengt-manieriert“ empfand ihn die Nachtkritikerin bei der Premiere. Für Regisseurin Sapir Heller war dieser Text auch nicht erste Wahl, wie sie im Nachgespräch berichtete. Das Stimmengewirr des hässlichen Universums ist nicht einfach in den Griff zu bekommen. Die Idee, den Text als „Goodbye Show“, wie es in großen Lettern über dem Ensemble glitzert, ist ein interessanter Ansatz und sorgt für eine unterhaltsame Revue, die in dieser Woche als Live-Stream aus München beim Heidelberger Stückemarkt präsentiert wurde, wo Sapir Hellers Inszenierung mit dem Nachspielpreis ausgezeichnet wurde.

Vincent Sauer

Es bleibt abzuwarten, ob Laura Naumanns Stück durch diesen Preis eine neue Renaissance erfährt oder ob es wieder drei Jahre dauert, bis ein Theater eine neue Inszenierung dieser dystopischen Komödie in Angriff nimmt.

Bilder: Arno Declair

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