Unsere Stadt aus Vogelaugen – Eine Blutung im Dunkeln

Als Open-Air-Projekt vor dem TD Berlin performte die israelische Autorin Sivan Ben Yishai die Übersetzung von „Unsere Stadt aus Vogelaugen – Eine Blutung“.

Entstanden ist dieser kurze, dichte Text als Auftragswerk des Schauspiels Dortmund: Julia Wissert eröffnete ihre Intendanz im September mit einem bewussten Gegenpol zu ihrem Vorgänger Kay Voges. Während er sich darauf konzentrierte, neue digitale Erzählweisen auszuloten, begann sie ihre Amtszeit mit einer Tour durch die Stadt: „2170: Was wird die Stadt gewesen sein“ lautete der Titel dieses Projekts, bei dem fünf neue Texte an dazu passenden Orten aufgeführt wurden.

„Unsere Stadt aus Vogelaugen – Eine Blutung im Dunkeln “ ist ein klassischer Erinnerungstext. Die Blut-Metapher, geborstene Knochen, zahnlose Gerippe ziehen sich durch Ben Yishais Text, mit dem sie an den Abriss der Dortmunder Synagoge im Oktober 1938 erinnerte. Wenige Wochen vor der Reichspogromnacht wurde jüdisches Leben zerstört.

Die Autorin las in Berlin selbst aus der deutschen Übersetzung ihres Textes, konzertant begleitet von den grollenden Electro-Klängen des HYENAZ-Duos Kathryn Fischer und Adrienne Teicher. Hinter dem Trio wurden ähnlich düstere, assoziative Bilder von Patrícia Bateira an die Wand des gerade mitten in der Sanierung begriffenen Gebäudes geworfen, während einige Meter weiter der Verkehrslärm am Alexanderplatz das Hintergrundrauschen bildete und die Sirenen von Polizei- und Notarzt-Wagen der Konzert-Performance eine besondere Dringlichkeit verliehen.

Am Dienstag war Sivan Ben Yishai mit dieser Konzert-Performance noch ein weiteres Mal zu erleben. Sie ist derzeit eine der gefragtesten Autorinnen, in Berlin arbeitete sie häufiger mit dem Gorki Theater zusammen, ihr jüngster Text „Liebe. Eine argumentative Übung“ wurde vor wenigen Wochen als Stream aus Bochum präsentiert und demnächst steht mit „Wounds“ die nächste Uraufführung am Nationaltheater Mannheim an.

Bilder: TD Berlin

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