Nomadland

Der amerikanische Traum ist krachend gescheitert. Regisseurin Chloé Zhao und Hauptdarstellerin Frances McDormand erzählen von den Menschen, die nach dem Platzen der Immobilienblase und der Finanzkrise ihre Häuser verloren haben und in Wohnmobilen durch die Wüste ziehen: von einem mies bezahlten Mc-Job zum nächsten, von der Amazon-Packstation zur Aushilfe im Diner.

„Make America great again“ klingt hier nur wie Hohn. Jessica Bruder hat dieses triste Welt schon 2017 in ihrem Buch „Nomaden der Arbeit: Überleben in den USA im 21. Jahrhundert“ beschrieben. Viele der Porträtierten wie Linda May, Charlene Swankie oder Bob Wells haben Zhao und McDormand auch für ihren semifiktionalen Stoff gewonnen.

Doch das Problem von „Nomadland“ ist, dass die Verzahnung der fiktiven Figur Fern, gespielt von Hollywood-Star Frances McDormand, mit dem Leben der realen Arbeitsnomaden nur mäßig gelingt. Der Stoff ist zweifellos interessant und eignet sich hervorragend für eine dokumentarische Reportage. Doch die knapp zwei Stunden, in denen sich McDormands Figur von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob müht, durch die Wüsten von Arizona und Nevada tingelt und Gleichgesinnte trifft, wirken schnell redundant. Sicher gibt es immer wieder schöne Miniaturen und tolle Landschafts-Aufnahmen von Joshua James Richards, die allerdings zu penetrant von Ludovico Einaudis Klaviermusik zugekleistert werden.

Bob Wells in the film NOMADLAND. Photo Courtesy of Searchlight Pictures. © 2020 20th Century Studios All Rights Reserved

Die zwei Stunden fühlen sich wesentlich länger, der Erkenntnisgewinn bleibt überschaubar. Ein Rätsel bleibt, wie dieser gut gemeinte und sehr bemühte Film einen solchen Erfolg haben konnte: er gewann nicht nur den Goldenen Löwen auf dem Festival in Venedig und parallel den Publikumspreis in Toronto, sondern auch gleich noch drei Oscars in den Königskategorien für den besten Film, die beste Regie und die beste Hauptdarstellerin. Für McDormand war es nun bereits die dritte Oscar-Trophäe: nach dem kleinen, bösen Meisterwerk „Fargo“ (1996), das sie mit ihrem Mann Joel und ihrem Schwager Ethan Coen drehte, und der hübsch anzusehenden, aber auch schon zu hoch gehandelten Komödie „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ (2017) wurde sie nun für ihr ganz unglamouröses Porträt einer vom Leben gebeutelten Arbeitsnomadin ausgezeichnet.

Nach der Deutschland-Premiere beim Filmfest Hamburg im Herbst 2020 und mehreren Verschiebungen kam „Nomadland“ sofort nach dem zweiten Corona-Lockdown an 1. Juli 2021 in die deutschen Kinos.

Vorschaubild der Hauptdarstellerin Frances McDormand: Photo Courtesy of Searchlight Pictures. © 2020 20th Century Studios All Rights Reserved

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.