Nebenan

Mit viel Selbstironie wirft sich Daniel Brühl in das Abenteuer seines Regie-Debüts: in „Nebenan“ zieht er sich selbst durch den Kakao. Brühl spielt einen erfolgreichen, deutsch-spanischen Schauspieler. Auch sein Alter ego heißt Daniel und wohnt wie er seit 2002 in einer Dachgeschosswohnung im Prenzlauer Berg. Die Anspielungen auf die eigene Karriere gehen sogar so weit, dass Bruno den Daniel mehrfach anstänkert, dass er diese oder jene Szene in seinem „Stasi-Film“ (gemeint ist „Good Bye, Lenin“, 2003) oder seinem Psychosen-Drama („Das weiße Rauschen“, 2001) völlig daneben findet.

Dieser Bruno wird gespielt von Peter Kurth und wirkt anfangs wie ein harmloser Eckkneipen-Säufer in einer dieser übel verrauchten Kaschemmen, die manche Anhänger der Nikotin-Sucht und Fans krebserregender Substanzen bis heute als heiliges Kulturgut verehren. Er scheint einfach so in den Tag hineinzuleben und bei Wirtin Hilde (Rike Eckermann) am Tresen herumzulungern. Der versnobbte Starschauspieler, der auf dem Weg zum Flughafen und einem Marvel-Blockbuster-Casting in London in die Kaschemme hereinschneit und ständig wichtigtuerische Telefonate mit Leuten aus der Filmbranche führt, liefert Bruno Steilvorlagen für seine Sticheleien.

Rike Eckermann als Kneipen-Wirtin

Was als Satire auf die Eitelkeiten der Filmbranche und ironischer Kommentar zu den 30 Jahren Gentrifizierung des Prenzlauer Bergs, den Alteingesessene wie Bruno nicht mehr wiedererkennen, wird zum tragikomischen Kammerspiel, das deutlich die Handschrift des österreichischen Bestseller- und diesmal Drehbuch-Autors Daniel Kehlmann trägt.

Auf engstem Raum werden die Angriffe von Bruno gegen Daniel immer persönlicher, der sehenswerte Schlagabtausch geht über mehrere Runden und bedient sich bei üblichen Motiven der Salon-Komödie und des gehobenen Unterhaltungstheaters.

Brühls Regie-Debüt ist zwar keine große Filmkunst, aber gelungene Unterhaltung im Stil eines Well-made-Play und war somit ein Lichtblick in einem Berlinale-Wettbewerb, der von der Ambivalenz zwischen einem hehren Kunstanspruch und dem Über-die-eigenen-Füße-Stolpern oft tragikomisch scheiternder Versuche geprägt war.

Nur wenige Wochen nach der Sommer-Berlinale startete „Nebenan“ am 15. Juli 2021 in den Kinos.

Bilder: (c) 2021 Amusement Park Film GmbH / Warner Bros. Ent. GmbH / Reiner Bajo

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