Black Widow

Technisch ist dieser 24. Marvel-Film natürlich makellos. Dennoch lohnt sich der überlange Film nur für treue Fans der Reihe und den Kontostand von Hauptdarstellerin Scarlett Johansson. Zu krude und lieblos ist die Fantasy-Handlung im Drehbuch von Eric Pearson zusammengestoppelt. Actionszene reiht sich an Verfolgungsjagd und Stunt-Einlage, lose verbunden von einer Familien-Zusammenführung der Avenger-Figur. Was für ein Gepose!, stöhnt Yelena Belova (Florence Pugh) einmal, als ihre ältere Ziehschwester Natasha Romanoff (Scarlett Johansson) ihre Haare schüttelt und sich in Kampfposition begibt. Aber dieser Satz fasst auch den gesamten Film treffend zusammen: tolle Landschaftsaufnahmen von Norwegen bis Neuseeland, hervorragende Kampf-Choreographien in der Weltraumstation des Bösewichts General Dreykov (Ray Winstone), der junge Mädchen zu Kampfmaschinen drillt und mit chemischen Stoffen die Kontrolle über die Gedanken gewinnen will. Unter der Oberfläche all dieses bombastischen Aufwands ist aber nichts. „Black Widow“ ist eskapistisches Popcorn-Kino und bietet für etwas mehr als zwei Stunden Unterhaltung für die Zielgruppen.

Yelena (Florence Pugh), Alexei (David Harbour) and Black Widow/Natasha Romanoff (Scarlett Johansson) Photo by Jay Maidment. ©Marvel Studios 2021. All Rights Reserved.

Auffällig ist, wie sehr die australische Regisseurin Cate Shortland eine feministische Umwertung des Superhelden-Blockbuster-Genres versucht. Die Frauen-Figuren haben die Sache im Griff und agieren souverän. Neben seinen beiden Töchtern (gespielt von Johansson und Pugh) und seiner Frau Melina Vostokoff (Rachel Weisz) ist der „Red Guardian“ (David Harbour) nur ein armes Würstchen und ein Clown. Diese einseitige Figurenzeichnung hat vor allem den Effekt, dass die Qualität des schwachen Drehbuchs noch weiter in den Keller rauscht, da der ganze Plot noch hanebüchner wirkt, wenn einige Charaktere nur Karikaturen und Leerstellen sind. Ihren Stempel konnte die Regisseurin, die zuletzt im Panorama der Berlinale 2017 mit dem Thriller „Berlin Syndrome“ auffiel, dem Marvel-Film dennoch nicht aufdrücken.

Wegen Corona musste der Start von „Black Widow“, der eigentlich für April 2020 geplant war, mehrfach verschoben werden. „Black Widow“ erschien am 8. Juli im Kino und auf Disney +.

Bilder: ©Marvel Studios 2021. All Rights Reserved.

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