In the Mood for Love

Genau zwanzig Jahre nach der Premiere sollte Wong Kar-Wais Klassiker in digital restaurierter Fassung beim Festival in Cannes 2020 präsentiert werden. Der Corona-Lockdown hat dies verhindert. Seit 1. Juli 2021 läuft der Film wieder in den deutschen Kinos.

Die 98 Minuten sind eine nostalgische Zeitreise in die 60er Jahre. In einem engen Hongkonger Mietshaus leben die Sekretärin Chan Li-zhen (Maggie Cheung) und der Journalist Chow Mo-wan Wand an Wand. Zwischen ihnen knistert es von Beginn an, häufig begegnen sie sich im Flur, meist sind sie allein, da ihre jeweiligen Ehepartner ständig unterwegs sind.

Langsam wird klar: Die beiden sind Betrogene, ihre Ehepartner haben eine Affäre miteinander. Doch Frau Chan und Herr Chow belassen es bei scheuen Blicken und gemeinsamen Abendessen. Sie haben sich in ein enges Moralkorsett eingepfercht, dass ihrer Liebe jeden Atem und jede Chance nimmt. Die beiden sind völlig fixiert darauf, was wohl ihre Nachbarn und Vermieter denken, falls sie gemeinsam abends nach Hause kommen oder falls – welch schrecklicher Gedanke – Frau Chan mit dem Regenschirm von Herrn Chow gesichtet wird.

Während um sie herum alle ihre sexuellen Affären pflegen, bleibt den beiden nur die Traurigkeit einer unerfüllten Liebe, die sich selbst versagen. Der Film versinkt in Rauschschwaden, hinter denen sich Tony Leungs Figur verschanzt. Der Jury des Festivals in Cannes 2000 war sein Auftritt dennoch eine Silberne Palme für den besten Hauptdarsteller wert.

Maggie Cheung im Halbdunkel des Treppenhauses

„In the Mood for Love“ ist ein Film voller Melancholie und Patina. Mit „Quizas, quizas, quizas“ und weiteren Songs von Nat King Cole ist das Melodram unterlegt. Berühmt ist der Klassiker vor allem für Yumeji’s Theme, ein Leitmotiv des japanischen Komponisten Shigeru Umebayashi: wie in Trance bewegen sich die Figuren nur noch zeitlupenhaft, sobald diese Musik erklingt. Meisterhaft hat Michael Thalheimer dieses Musik in seiner „Emilia Galotti“-Inszenierung am Deutschen Theater Berlin im Herbst 2001 eingesetzt, bei der er Nina Hoss, Sven Lehmann und Regine Zimmermann über den Catwalk schreiten ließ. Auch diese Inszenierung ist längst ein Klassiker.

Eine kleine Insider-Pointe hat Wong Kar-Wai in seinen Film eingebaut, die aus heutiger Sicht besonders bitter ist: in Hotel-Zimmer 2046 scheitert ein Versuch, dass aus den beiden doch noch ein Paar werden könnte. Für Hongkong war 2046 lange ein hochsymbolisches Datum: in dem Jahr sollten die Garantien einer Sonderverwaltungsszone für die ehemalige britische Kronkolonie enden, die die Volksrepublik China bei der Übergabe des Territoriums 1996/97 zugestanden hat. Doch diese Garantien sind längst nur noch Makulatur, die Demokratiebewegung in Hongkong wurde in den vergangenen Jahren brutal niedergeschlagen. „2046“ nannte Wong Kar-Wai auch die Fortsetzung, die er 2004 drehte, die aber weit weniger erfolgreich war als „In the Mood for Love“.

Bilder: Koch Films

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