Curveball

„Eine wahre Geschichte. Leider“, lautet der lakonische Vorspann zu Johannes Nabers ebenso rasant wie glänzend erzählter Polit- und Geheimdienst-Groteske „Curveball – Wir machen die Wahrheit“.

Wie es sich mit den Fakten bei dieser haarsträubenden Affäre um Saddam Husseins angebliche Massenvernichtungswaffen, einen irakischen Asylbewerber, den BND und die Bush-Administration, die verzweifelt nach einem Kriegsgrund suchte, genau verhielt, bleibt auch nach dem knapp zweistündigen Kino-Spaß im Dunkeln. Sicher ist: Für bare Münze darf man nicht alles nehmen. Vieles ist dramaturgisch zugespitzt, ausgeschmückt und vor allem im letzten Drittel mit einer Schlittenfahrt von der NSA-Station in Bad Aibling auch etwas zu albern.

Sebastian Blomberg, Dar Salim

Aber als gesichert darf gelten, dass „Curveball“ auf einem wahren Kern beruht, bei dem sich Politik und Geheimdienste um die Jahrtausendwende nicht mit Ruhm bekleckterten. Gerüchte über Züge, die quer durch den Irak rollten und in denen Saddam Hussein Anthrax produziere, machten die Runde und schafften es sogar in die Rede des damaligen US-Außenministers Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat, mit der er 2003 den völkerrechtswidrigen Angriff auf das irakische Regime begründete. Als Kronzeuge diente eine Quelle namens „Curveball“: der irakische Asylbewerber Rafid Ahmed Alwan behauptete damals, Geheimwissen über Saddams Produktionsanlagen zu haben. Seine Geschichten brachten ihm einen deutschen Pass ein, Jahre später ruderte er zurück, dass sie erfunden seien. Im Film spielt ihn Dar Salim, der dänische „Game of Thrones“-Star und neue Bremer „Tatort“-Kommissar.

Dar Salim

Der Film nimmt diese Geschichte aufs Korn. Besonders schlecht kommt der BND dabei weg. Thorsten Merten, Sebastian Blomberg und Michael Wittenborn spielen die drei Mitarbeiter der Pullacher Behörde, die einen großen Coup wittern und endlich auch von CIA, MI6 und Mossad ernstgenommen werden wollen. Zwei der drei Schauspieler, die für ihr komödiantisches Talent hochgeschätzt sind, spielten auch in Karin Beiers „Reich des Todes“-Inszenierung am Schauspielhaus Hamburg mit, das ebenfalls in die Post-9/11-Welt mit ihren Fallstricken für Politik und Geheimdienste eintauchte.

Es geht nicht um Wahrheit, sondern um Gerechtigkeit, bringt die amerikanische Geheimdienstmitarbeiterin Leslie (Virginia Kull, eine Entdeckung dieses Films) die Haltung der Fake News-Produzenten Trump und Co. auf den Punkt. Johannes Nabers Polit-Satire lief schon als Berlinale Special 2020 und kam nach den Corona-Lockdowns am 9. September 2021 endlich in die Kinos.

Bilder: Sten Mende

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.