Toubab

Auch wenn nicht jede Pointe zündet und einige arg flach geraten sind: Florian Dietrichs „Toubab“ ist ein unterhaltsamer Kinospaß. Mit seinem an ausgewählt tristen Ecken des Rhein-Main-Gebiets gedrehten Debütfilm bringt Dietrich einen frischen Wind in die oft recht dröge deutsche Filmszene.

Neben vielen bekannten Gesichtern aus der Berliner Theaterszene, die eine Straßen-Gang verköpern, agieren in den Hauptrollen zwei vielversprechende junge Schauspieler, die für ihre Leistungen als beste Nachwuchs-Darsteller mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet wurden: Farba Dieng, in Lille geboren und bei Frankfurt aufgewachsen, spielt Batoub: er hat bereits einiges auf dem Kerbholz und ist gerade frisch zur Bewährung aus dem Gefängnis, als ihn seine Gang in den nächsten Schlamassel hineinzieht.

Ihm droht die Abschiebung in den Senegal, das Herkunftsland seiner Eltern. Die einzige Rettung verspricht ihm eine Ehe mit einer deutschen Staatsbürgerin, doch er holt sich reihenweise Körbe, selbst von Mauerblümchen Janine (Julia Gräfner), die sich über ihn in einem hochgeladenen Video lustig macht.

Bleibt also als letzter Ausweg nur sein Kumpel und zweiter Hauptdarsteller Dennis: Julius Nitschkoff, der schon in „Die Geschwister“ auffiel, spielt den Automechaniker, der eigentlich mit Manu (Nina Gummich), der Tochter seines Chefs liiert ist, und sich dem Buddy zuliebe darauf einlässt, dem Ermittler-Team der Ausländerbehörde (Burgtheater-Star Michael Maertens und Valerie Koch) ein frisch verliebtes schwules Paar vorzuspielen.

Die Komödie nimmt gekonnt Homophobie, Alltagsrassismus und die Schikanen der Bürokratie aufs Korn. Das Drehbuch, das Regisseur Dietrich gemeinsam mit Arne Dechow schrieb, ist nie um einen flotten Spruch verlegen. Die ernsten Themen werden mit Leichtigkeit und selten etwas platt abgehandelt.

Nach der Premiere auf der Filmkunstmesse Leipzig im Herbst 2020 dauerte es knapp ein Jahr, bis „Toubab“ am 23. September 2021 in den Kinos startete.

Bilder: © Camino Filmverleih 2021

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