Mein Sohn

Wenn Anke Engelke auf der Besetzungsliste eines Films steht, glaubt man zu wissen, wohin die Reise geht. In der deutschen Comedy-Szene sind die Talente wahrhaft rar gesät, die es mit ihrem Witz, ihrem Timing und ihrer Schlagfertigkeit aufnehmen können.

Doch diesmal ist Engelke in einer sehr ernsten Rolle zu sehen. Sie spielt in Lena Stahls Debütfilm „Mein Sohn“ die besorgte Mutter Marlene, die als alleinerziehende Fotografin auf den Karrieresprung bei Magnum in New York verzichten musste und nun, als der Sohn bereits Anfang 20 ist, nach einem Unfall in großer Sorge um ihn ist.

Jason, einen Skater, der davon träumt, sich mithilfe eines Sponsors auch seinen Lebensunterhalt mit seinem Sport zu verdienen, spielt Jonas Dassler, eines der größten Nachwuchs-Talente der Berliner Theaterszene, dessen Stern schon während des Studiums an der Schaubühne aufging und später am Gorki einschlug. In diesem Film ist er jedoch etwas unterfordert: die Rolle des Jason ist von der Regisseurin und Drehbuchautorin recht klischeehaft angelegt. Der blonde, narzisstische Egoshooter ist wortkarg, stößt alle und jeden vor den Kopf und lässt die Kontaktversuche seiner Mutter mit einem zynischen Dauergrinsen an sich abprallen.

Der Film erzählt knapp 90 Minuten als Roadmovie mit tragikomischem Anstrich von der gemeinsamen Reise von Mutter und Sohn in die Schweiz. In einer Reha-Spezial-Klinik soll Jason dort behandelt werden, nachdem er sturzbesoffen bei einer besonders leichtsinnigen Aktion in einer Berliner Nacht nur knapp dem Tod von der Schippe sprang.

Anke Engelke in der ungewohnt ernsten Mutter-Rolle

Interessanter ist der Film, solange er auf engstem Raum bei den passiv-aggressiven Mutter-Sohn-Gesprächen während der Autofahrt bleibt. Das Duo legt aber auch ein paar Pausen ein und philosophiert dort mit zu klischeehaft geratenen Nebenfiguren über das Leben. Hannah Herzsprung und Golo Euler haben beispielsweise einen Kurzauftritt als Aussteiger-Pärchen in einer Selbstversorger-Landkommune, später verschlägt es Mutter und Sohn in eine sterile Münchner Villa, wo ein Urlaubs-Flirt von Jonas lebt, die von einer Karriere bei der UNO träumt,

So ist es am Ende vor allem Anke Engelke in ihrer ungewohnt ernsten Rolle, die dieses Erstlingswerk sehenswert macht, das im Sommer 2021 beim Filmfest München Premiere hatte und am 18. November in den Kinos startete.

Bilder: © Warner

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