Matrix Resurrections

Noch ein Solo-Projekt eines unzertrennlich scheinenden Geschwister-Paars in diesem Winter: Dass Joel Coen mal ohne seinen Bruder Ethan dreht, war ebenso wenig vorstellbar, wie dass Lana Wachowski ohne ihre Schwester Lilly Regie führen würde.

Knapp zwanzig Jahre nach der bahnbrechenden „Matrix“-Trilogie kommt eine Fortsetzung in die Kinos, an der Lana alleine arbeitete. Die Prämisse des Films ist vielversprechend: die Erlöserfigur Neo (Keanu Reeves) hängt wieder in der Matrix fest. Als Spieledesigner Thomas Anderson hat er beruflich Erfolg, ist aber in psychiatrischer Behandlung (Neil Patrick Harris), da er unter vermeintlichen Wahnvorstellungen leidet und deshalb die berühmte blaue Pille schlucken muss. Seine Kampfgefährtin Trinity (Carrie-Ann Moss) hängt unter dem Alias-Namen Tiffany in einer bürgerlichen Existenz als verheiratete Mutter fest. In einem Café laufen sich die beiden Hauptfiguren der Matrix-Reihe über den Weg, es beginnt zu knistern, aber beide brauchen eine ganze Weile, um sich ihrer wahren Identität und ihrer Superkräfte bewusst zu werden und sich erneut aus der Computersimulation Matrix zu befreien.

Interessant wird der Blockbuster immer dann, wenn er sich selbstironisch auf die Meta-Ebene begibt, die Figuren über die Sequel-Struktur lästern und nostalgisch Szenen aus den alten Filmen hineinmontiert werden. Während der überlangen 2,5 Stunden steckt der Film aber zu oft selbst fest. Auch Neo und Trinity können den zähen Plot nicht aus den festgefahrenen Actionkino-Bahnen befreien. Über weite Strecken ist „Matrix Resurrections“ dann doch nur eine Aneinanderreihung von Kampfszenen, ohne die Schauwerte der damals aufregend neuen Krümmungen von Raum und Zeit zu erreichen.

„Matrix Resurrections“ ist der nicht besonders geglückte Versuch, eine Film-Reihe, die damals Maßstäbe setzte, aber längst abgeschlossen schien, wiederzubeleben. Auch Max Riemelt, der schon in der Serie „Sense 8“ mit Lana Wachowski mitspielte, darf in einer Nebenrolle dabei sein. Ansonsten dominieren die bekannten Gesichter der vertrauten Stars aus dem Original. Für treue Fans und Kino-Nostalgiker mag die Fortsetzung interessant sein, die aktuelle Popcorn-Kino-Teenager-Generation erreichte der Film nicht, sie verließen das Kino bei einer gestrigen Vorstellung nach der ersten Hälfte gelangweilt.

Bild: Warner Bros.

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