France

Eine Mediensatire schwebte dem französischen Regisseur und Drehbuchautor Bruno Dumont vor: mit seinem Porträt von Aufstieg und Fall der fiktiven Journalistin France de Meurs (Léa Seydoux) möchte er der TV-Branche den Spiegel vorhalten. Doch die 134 Minuten sind grobschlächtig und zäh. Enttäuschend ist, dass Dumont nur auf seinen überzeichneten Popanz eindrischt und kaum einen interessanten Gedanken entwickelt.

Der Film zeichnet das Zerrbild einer narzisstischen „Selfie-Journalistin“, wie Kathleen Hildebrand das Geschäftsmodell dieser Figur in ihrer SZ-Rezension treffend beschreibt. Egal ob sie bei einer Pressekonferenz von Emanuel Macron im Élysée oder bei einer Kriegs-Reportage im Nahen Osten ist: immer geht es ihr darum, dass sie mit Close-ups möglichst oft im Bild sind, Inhalte sind ihr zweitrangig. Am liebsten feixt sie mit ihrer ähnlich zynisch und oberflächlich gestrickten Produzentin (Blanche Gardin), ihr Mann (Benjamin Biolay) ist nur ein Anhängsel.

Der Film laviert zwischen Melodram, Tragödie und Komödie und verhebt sich an seinem satirischen Anspruch. Die SZ-Kritik legte den Finger in die Wunde dieses enttäuschenden Films: „Die Schwäche von Dumonts Satire ist ihre Unschärfe.“

Léa Seydoux als France de Meurs

„France“ funktioniert aber auch als Léa Seydoux-Vehikel nur sehr eingeschränkt. Die Schönheitskönigin des französischen Kinos war im Sommer 2021 mit gleich drei Filmen in den Cannes-Wettbewerb eingeladen: als Hauptdarstellerin in „France“ und „Die Geschichte meiner Frau“ von Ildikó Enyedi sowie im Ensemble-Film „The French Dispatch“ von Wes Anderson, musste aber wegen einer Corona-Infektion in Quarantäne.

Knapp ein Jahr später startete „France“ am 9. Juni 2022 auch in den deutschen Kinos, zählt aber zu den schwächeren Werken des Cannes-Jahrgangs und ging dort zurecht leer aus. Immerhin reichte es für eine César-Nominierung für die Hauptdarstellerin.

Bilder: R. Arpajou © 3B PRODUCTIONS

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