In Exile. Queer Week 2022

Traditionell fand die Queer Week im Studio des Gorki Theaters immer zur Pride und zum Spielzeitausklang im Juni statt. Nun eröffnet die frisch renovierte Spielstätte die Saison an zwei Wochenenden voller Lesungen, Diskurs und Performances.

Aus dem vielfältigen Programm habe ich zwei Soli ausgesucht: Caner Teker gastierte mit der neuen Arbeit trans_. Wie schon in „Kirkpinar“, das bei den Tanztagen 2020 in den Sophiensaelen überraschte und pandemiebedingt leider nicht bei „radikal jung“ in München gezeigt werden konnte, dekonstruiert Teker auch in dieser Choreographie Rituale und Mythen der türkischen Kultur und bettet sie in einen queeren Kontext ein.

Bild: Nellie de Boer

30 Minuten kurz und ganz ohne Text ist dieses Empowerment-Solo: nicht so ausgefeilt wie die Vorgänger-Arbeit hat „trans_“ noch zu sehr Werkstatt-Charakter. Aber für solche kleinen Arbeiten ist die Queer Week im Studio ein geeigneter Ort, um neue Ideen auszuprobieren und Formate zu testen.

Wesentlich ausgereifter war im Anschluss das Gastspiel „The Principle of Pleasures“ von Gerard X Reyes, das schon 2015 entstand und im Sommer 2016 in der Weddinger Tanzfabrik zu sehen war. Shermin Langhoff und ihr Team wollten dieses Solo bereits 2020 nach Berlin einladen, was aus den bekannten Gründen nicht möglich war. Schön, dass der einstündige Abend nun zwei Jahre später gezeigt werden konnte und wieder in Berlin zu erleben war.

Denn viele Erfahrungen aus der Berliner Fetisch-Szene und dem Nachtleben sind in dieses erste Solo von Gerard X Reyes eingeflossen, als er in seine Heimat Montréal zurückkehrte. Worum es ihm in diesem Abend geht, bringt die Ankündigung des Tour-Managements Plan B sehr klar auf den Punkt: um „Kontrolle und Verführung, indem er Voguing, Striptease, Exzentrizität und Glamour miteinander verschmilzt“. Nach einem kurzen Intro holt Reyes einen Zuschauer auf die Bühne, flüstert ihm ins Ohr und spricht den jeweils nächsten Schritt ab. Das restliche Publikum verteilt sich im Saal, während Reyes seinen Auserwählten verführt und becirct, spielerisch fesselt, befummelt und küsst, ihn kurz zur Ruhe kommen lässt und mit der nächsten lasziven Pose das Erregungs-Level steigert. Dabei trägt Reyes nur einen Hauch von Nichts, das er schließlich auch noch ablegt.

Mit etwas mehr Textil macht Reyes anschließend die Runde durch das Publikum, flirtet weitere Gäste an und feiert zu den Klängen von Janet Jackson, die Devon Bayte und Ty Harper für ihn remixed haben.

Vorschaubild: David J Romero

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