Acht Berge

Eindrucksvoll ist die Bergkulisse des italienischen Aostatals, die Felix von Groeningen und Charlotte Vandermeersch, in ihrem melodramatischen Film im 4:3-Format auf die Leinwand bringen. Darauf konnten sich alle Kritiken einigen, die ich bisher gefunden habe.

Das belgische Paar führte in „Acht Berge“ gemeinsam Regie und arbeitete auch zusammen am Drehbuch, das auf dem gleichnamigen Bestseller von Paolo Cognetti basiert, der 2016 immerhin den Premio Strega, den wichtigsten italienischen Literaturpreis gewann. Maike Albath schwärmte in der SZ, als die deutsche Übersetzung des Romans erschien, von impressionistischen Landschaftsbeschreibungen, attestierte dem Werk ansonsten aber einen „eher biederen Realismus“.

Dies ist auch ein Manko der überlangen Verfilmung, an dem sich die Geister dann doch scheiden: Zu betulich pinselt das Regie-Duo zwei etwas klischeehaft gegenübergestellte Lebensentwürfe aus: hier der Bergbauern-Sohn Bruno (Alessandro Borghi), der Zeit seines Lebens nicht aus seinem kleinen, aussterbenden Dorf herauskommt, am liebsten aber ganz allein mit seinen Tieren auf der Alm ist, dort sein Jugendfreund Pietro (Luca Marinelli), der unstet zwischen den Welten wandert und lange braucht, um irgendwo Fuß zu fassen. Ihn verschlägt es schließlich in eine andere Bergwelt, den Himalaya in Nepal, wo ihn ein Bergführer mit einer Kalenderspruch-Weisheit konfrontiert, auf die Film- und Roman-Titel anspielen.

Bei der Premiere in Cannes waren die Rezensionen dementsprechend meist nur mäßig, dennoch durfte sich „Acht Berge“ über einen Prix de Jury freuen, den es sich mit „EO“ von Jerzy Skolimowski teilt. Beide Filme werden Anfang Dezember beim 14films-Festival in der Kulturbrauerei zu sehen sein, bevor „Acht Berge“ am 5. Januar 2023 bundesweit in den Arthouse-Kinos laufen soll, auf die das am Ende zu tränenreich-kitschige Bergsteiger-Drama abzielt. Aber diese Überdosis an Pathos und Streicherklängen kennt das Festival-Publikum schon von „The Broken Circle“, mit dem van Groeningen den Publikumspreis der Berlinale 2013 gewann.

Bild: DCM

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