Einige Perlen hat Regisseur Jens Meurer gemeinsam mit seinem Co-Autoren-Duo Dirk Kämper und Wolf Biermanns Ehefrau Pamela aus den Archiven ausgegraben. Für diese kleinen Momente lohnt sich die Collage „Biermann – Warte nicht auf bessre Zeiten“ auch für Menschen, die in den vergangenen Jahrzehnten dem Liedermachers und DDR-Dissidenten auf einem seiner zahlreichen Konzerte bereits begegnet ist.
Ästhetisch ist die von MDR/NDR/WDR koproduzierte Collage recht konventionell: sie ist klassisches öffentlich-rechtliches Fernsehen für die Mediatheken, wenn der Kinostart zum Doppel-Jubiläum vorbei ist: Wolf Biermann wird in diesem Herbst nicht nur 90, sondern auch das berühmte Konzert auf Einladung der IG Metall, auf das die DDR-Staatsführung mit der Ausbürgerung Biermanns reagierte, jährt sich in diesem Jahr zum 50. Mal.
Kurze Kommentare von Armin Müller-Stahl, einem der vielen Kulturschaffenden, die 1976 gegen die Ausbürgerung protestierten, von Alt-Bundespräsident Joachim Gauck oder Alt-Punk Campino stören den Fluss der Archiv-Aufnahmen und der O-Töne des Jubilars nicht weiter. In dieser Doku redet nämlich vor allem einer: Wolf Biermann.
Seine Konzerte ufern stets aus. Die alten und neuen Lieder garniert er stets mit Weltbetrachtungen und Überleitungen, die zu Exkursen anschwellen. Neben dem legendären Kölner-Konzert und einem Revival an selber Stelle dokumentierte die Kamera auch den Auftritt von Wolf und Pamela Biermann am 31. März 2025 im Gorki Theater unweit der Chauseestraße, wo Biermann während der langen Jahre seines Auftrittsverbots unter den Augen der Stasi Bürgerrechtler-Freunde und West-Prominenz empfing.
Die Biermann-Doku hatte am 2. Oktober 2026 in der Sektion Große Freiheit beim Filmfest Hamburg in seiner Heimatstadt Premiere. Am 29. Oktober 2026 startete sie in den Kinos.
Bild: © Majestic / Sebastian Ganschow, Bernd Fischer; Foto im Hintergrund: © Roger Melis