Matinee für Dieter Sturm

In einer kompakten Stunde gelingt der Schaubühne ein würdiges Gedenken an Dieter Sturm, einen der Gründer des Hauses und langjähriges dramaturgisches Mastermind.

Jürgen Schitthelm zeichnet ein sehr präzises Bild dieses zurückhaltenden Mannes, der mit wenigen Mitstreitern von der Studentenbühne am Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin nach Konflikten mit der Uni-Leitung das gewaltige Risiko eingeht, ein neues Theater zu gründen, das sich auf junge Autorinnen und Autoren konzentriert und Mitbestimmungs-Konzepte wagt.

Fast märchenhaft klingt es, aber ist doch wahr, dass die Truppe um Sturm und Schitthelm binnen weniger Jahre ein Theater mit gewaltiger Strahlkraft weit über das eingemauerte West-Berlin hinaus schuf.

Die Matinee zeichnet das Bild eines geradezu manischen Lesers, der für seine gewaltige Privatbibliothek immer neue Wohnungen anmieten musste und die legendären Inszenierungen von Peter Stein oder Klaus-Michael Grüber durch sein immenses Wissen über den Kontext der Stoffe sowie durch intensive Workshops mit dem Ensemble entscheidend mitprägte. Er blieb dabei stets im Hintergrund, formulierte druckreif auf Sitzungen und Proben, aber verschriftlichte nur selten etwas.

Thomas Ostermeier, seit 2000 Intendant der Schaubühne, erinnert sich an die erste Begegnung mit Sturm, der nach dem Mauerfall ans Deutsche Theater Berlin gewechselt war, und unter Thomas Langhoffs Intendanz in der Baracke die jungen, wilden Arbeiten des damaligen Nachwuchs-Regisseurs als Mentor betreute.

Aus den wenigen Texten, die erhalten sind, lesen Jule Böwe, Ursina Lardi und Ernst Stötzner. Einen letzten Gruß des langjährigen Weggefährten Botho Strauß trägt Edith Clever vor.

Gerahmt von Klaviermusik von Franz Schubert und Duke Ellington klingt die Gedenkveranstaltung mit einer Fotocollage aus dem Archiv von Ruth Walz aus.

Dieter Sturm starb am 2. Juli 2026 im Alter von 90 Jahren, die von ihm mitbegründete Schaubühne ehrte ihn am 8. November 2026 mit einer Matinee im Globe am Lehniner Platz.

Bild: Gianmarco Bresadola

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