Clap & Slap

Mit ihrem hochaktuellen Thema treffen die Litauerin Agnietė Lisičkinaite und der aus Belarus nach Polen geflohene Igor Shugaleev offensichtlich einen Nerv. Viereinhalb Jahre nach dem Beginn der russischen Vollinvasion auf die Ukraine und mitten in der aufgeregten Debatte über hybride Bedrohungen, Drohnen und Spekulationen über weitere Expansions-Pläne Putins ist die 45 Minuten kurze Performance für Theater- und Performance-Festivals sehr attraktiv.

Nach der Premiere beim New Baltic Dance Festival in Vilnius im Mai 2025 tourt die Produktion in diesem Sommer, obwohl der Aufenthaltsstatus von Shugaleev lange ungewiss war und erst im Frühjahr um zwei Jahre verlängert wurde. Von 10.-13. Juni 2026 gastierte „Clap & Slap“ bei den Wiener Festwochen im Kosmos Theater, am 18. Juni folgte die Deutschland-Premiere auf Kampnagel. Nach dem Theater Spektakel-Gastspiel in der Zürcher Roten Fabrik vom 15.-17. August folgten noch drei Aufführungen ab dem 20. August im Radialsystem V bei Tanz im August.

Lesenswert war ein ausführlicher Vorbericht in der NZZ über die Entstehungsgeschichte und Hintergründe. Shugaleev war im Sommer 2020 Teil der Oppositionsbewegung gegen Lukaschenko, die bald brutal niedergeschlagen wurde, er floh ins Exil. Lisičkinaite war in ihrer litauischen Heimat bei Protesten vor der russischen Botschaft aktiv und sieht ihr Land an der NATO-Ostgrenze besonders bedroht. Sie hatte sich eigentlich vorgenommen, seit Putins oben erwähnter Voll-Invasion nicht mehr mit Künstlern zusammenzuarbeiten, die aus Russland oder Belarus stammen. Für dieses Projekt änderte sie ihre Haltung offensichtlich.

Meist in vorproduzierten Videos, später auch während der Live-Performance, in der das Duo um ein Absperrgitter kreist, werden diese Fragen von Schuld und persönlicher Verantwortung angesprochen. Es bleibt aber bei einem kurzen Antippen, die Performance lotet die interessanten Fragen nicht tiefer aus, sondern mündet in eine Selbstgeißelung wie in früheren Jahrhunderten aus der katholischen Liturgie, bis die Rücken des Duos stark gerötet sind. Zwischendurch wird das Publikum noch zum rhythmischen Mitklatschen aufgefordert, woraufhin eine ältere Dame deutlich hörbar ihren Unmut kundtat, als einige Zuschauer minutenlang monoton weiter mitklatschten.

Leider verpasst „Clap & Slap“ die Chance, aus dem spannenden Material mehr als nur eine sympathische Performance für kleinere Nebenbühnen im Rahmen von Festivals zu kreieren.

Bilder: D Alisauskas

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