Als Inklusionsperformance entpuppte sich das „Hornfuckers“-Gastspiel von Diana Niepce. Die portugiesische Choreographin, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist, zeigt in ihrer einstündigen Performance sehr deutlich, wie begrenzt die menschliche Natur ist.
Ein sehr diverser Cast aus Performerinnen und Performern mit und ohne Einschränkung, mit normschönen Körpern oder etwas mehr Gewicht findet sich unabhängig von ihrer persönlichen Konstitution in derselben Lage wieder. Einige Zentimenter über dem Boden baumeln sie im ersten Bild an langen, von der Decke hängenden Haken und Seilen und strampeln hilflos. Erst als sie sich in ihr Schicksal ergeben und mit den natürlichen Bewegungen mitschwingen, geraten sie in einen eleganteren Flow.
Eine weitere Herausforderung, an der sie scheitern, ist die rampenartige Schräg-Konstruktion, an der sie sich festklammern und immer wieder abrutschen. Das schließlich halbnackte Ensemble wirkt in den eindrucksvollsten Momenten wie Fliegen oder Wespen, die in eine Falle geraten sind und immer wieder gegen die Glaswand anrennen.

Die Botschaft an das Publikum ist klar, egal ob eingeschränkt oder well-abled: Seid euch eurer Grenzen und Verletzlichkeit bewusst, der Vergänglichkeit eurer Gesundheit und Stärke. Zugleich ist es auch ein Empowerment-Konzept: die Performerin mit sichtbarer Behinderung, einem amputierten Bein, die deshalb zum Schluss-Applaus in einem Rollstuhl sitzt, ist selbstverständlicher Teil dieser sich abmühenden, scheiternden Versuchsgruppe und hat kaum mehr Beschränkungen in diesem Aufgaben-Parcours als die anderen.
Über eine ganze Stunde wird diese Versuchsanordnung doch recht redundant, dafür bleibt die Botschaft zu simpel. Die u.a. vom Holland Dance Festival und Kampnagel koproduzierte Performance hatte am 26. März 2026 im Lissaboner Kulturzentrum Culturgest Premiere, eröffnete bei seiner Deutschland-Premiere am 18. Juni 2026 das experimentelle Festival Theaterformen im Staatstheater Braunschweig und gastiert an diesem Wochenende im Radialsystem V bei Tanz im August.
Hinweisschilder am Eingang wiesen zwar auf das für Performances ohnehin obligatorische Verbot von Film- und Videoaufnahmen aus. Ärgerlich war, dass sich niemand um die Einhaltung kümmerte. Fast schon demonstrativ filmte eine Zuschauerin mehrfach und oft minutenlang deutlich sichtbar Passagen mit, insbesondere auch in denen das Ensemble halbnackt und besonders schutzlos ausgeliefert war. Hier sollten die Veranstalter dringend nachdenken, wie solch übergriffiges Verhalten künftig gestoppt wird, vor allem da es sich nicht um eine kurze Situation, sondern eine wiederkehrende, auch aus größerer Entfernung von meinem Platz aus eindeutig erkennbare Grenzverletzung handelte.
Bild: Alípio Padilha