Still liegen die Performerinnen und Performer auf ihren Start-Positionen. Verteilt auf 16 Räume der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin erwachen sie nur langsam und mit minimalistischen Bewegungen zum Leben.
Sehr divers ist der Cast dieser Performance „Alternde Meister“, die Ersan Mondtag mit dem Kurator Nadim Samman entwickelt hat: vom erfolgreichen Filmschauspieler Louis Hofmann über den Veteran der Techno-Bewegung Westbam, ein Rentner-Paar oder die Rapperin addeN, die schon an einer Inszenierung der Volksbühne mitwirkte, bis zu Mitgliedern des koproduzierenden Berliner Ensembles reicht die lange Liste der Mitwirkenden.
Recht zäh beginnt der erste Durchlauf. Das Publikum darf sich frei zwischen den Räumen bewegen, hinzu kommen die Museumsbesucher und Touristen, die unabhängig von dieser Performance die Gemälde von Caravaggio, Cranach oder Rubens besichtigen. Etwas ratlos wirken die Blicke, in nervöser Übersprungshandlung werden dennoch die Smartphones gezückt und jede noch so kleine Regung mitgefilmt.
Erst nach 20 Minuten wird klar, worauf Mondtag/Samman abzielen: nach und nach setzen sich die Performer in Bewegung und schließen sich einer Prozession an. In einem zentralen Raum findet eine Trauer-Zeremonie statt: der anatolische Frauen-Chor SEYYARE, den die vor kurzem ausgeschiedene Gorki-Intendantin Shermin Langhoff initiierte und der erstmals in Ersan Mondtags Inszenierung „Das rote Haus“ auftrat, stimmt eines von Gustav Mahlers Kindertotenlieder und ihre Version eines russischen Volkslieds an, das in der Cover-Version von Dalida bekannt wurde.
Zögernd löst sich diese sehr würdige Gedenk- und Abschieds-Versammlung auf. Die Performer*innen gehen zurück zu ihrer Ausgangs-Position. Der ewige Kreislauf von Werden und Vergehen beginnt von vorn, auch der zweite Durchlauf mündet wieder in die Trauer-Prozession. Leider gab es bei der gestrigen letzten Vorstellung nur zwei der drei angekündigten Durchläufe, so dass es nicht möglich war, noch mehr der vielen kleinen Details der Performance in den zahlreichen Räumen zu sehen.
Auf eine Schwachstelle der Arbeit wies Verena Harzer in der taz nach dem Presserundgang hin: zu selten gelingen konkrete Bezüge zwischen den Performer*innen und den Gemälden im Hintergrund. Sie bleiben zu häufig beliebig austauschbare Kulissen.
Florentina Holzinger, ein anderer Regie-Star an der Schnittstelle zwischen Performance und Bildender Kunst, bezeichnet diese kleinen Formate regelmäßig als Etüden. Das wäre auch ein passender Begriff für diese minimalistische Performance, die Ersan Mondtag zwischen mehreren Großprojekten einschob und die nur an drei Tagen vom 11.-13. September 2026 im Rahmen der Berlin Art Week in der Gemäldegalerie zu sehen war.
Bild: © Lukas Städler, VG Bild Bonn, 2026.