Unterschiedlicher könnten Saisonstarts kaum sein: Matthias Lilienthal bestimmte das Sommerloch mit seinem „Volksbad“ und war auf allen Kanälen als neuer Intendant der Volksbühne am Rosa Luxemburg-Platz präsent. Oliver Reese jubelte über zahlreiche Erwähnungen seines Hauses in der „Theater heute“-Jahresumfrage und trumpfte am Berliner Ensemble mit einer Uraufführung des Nobelpreisträgers Peter Handke und dem von einigen Kritikern kultisch verehrten Jens Harzer auf.
In ihrer sympathisch-zurückhaltenden Art ging die neue Intendantin des Maxim Gorki-Theaters einen ganz anderen Weg. Ihr Haus ist seit Freitag geöffnet, die Spielzeiteröffnung fiel aber so leise aus, dass man selbst auf dem Vorplatz gar nicht vermuten würde, dass hier schon wieder Betrieb ist.
Demonstrativ leise und meditativ-entspannt ist die Stimmung im Saal. Die Stühle wurden schon zur Abschiedsparty der ehemaligen Intendantin Shermin Langhoff und ihres Ensembles herausgenommen. Dort finden sich nun gewaltige Holzkreuze, Leihgaben aus dem Krakauer Tadeusz Kantor Museum.
Der 87jährige Sarkis, ein türkisch-armenischstämmiger bildender Künstler und wichtiger Vertreter der Avantgarde der 1960er Jahre, der seitdem auch in Paris lebt, gestaltete eine Hommage an zwei von ihm verehrte Künstler: an den schon erwähnten, 1990 verstorbenen polnischen Theatertheoretiker Tadeusz Kantor und den 1992 verstorbenen Minimal Music-Komponisten John Cage. Während die Drehbühne bedächtig kreist, lässt ein Glockenspiel seine „Litany of a Whale“ erklingen.
Sakral ist die Atmosphäre im Saal, an einigen Ecken warten Mitglieder der Golden Gorkis, des hauseigenen Ensembles 60+, die Erklärungen und Hintergrundinfos zu der kryptischen Installation anbieten.
Gelassenheit und eine fast schon provozierende Entspanntheit in diesen aufgewühlten Zeiten strahlt diese ungewöhnliche Spielzeit-Eröffnung aus. Der zurückgenommene Gestus ist durchaus sympathisch, dürfte es aber auf den harten Brettern der Berliner Theaterblase schwer haben. Zu museal wirkt die Hommage an die Avantgarde-Heroen von einst. Statt Sprechtheater gibt es erstmal nur die bildende Kunst mit Aquarell-Workshops im Foyer, nur als Rahmenprogramm gibt es eine kleine „Rückkehr des Odysseus“-Performance mit Çiğdem Teke und Mickey Mahar.
Nach der Eröffnung am 4. September 2026 ist die „Fuge“-Installation bis 11. Oktober 2026 täglich von 13-21 Uhr bei freiem Eintritt im Maxim Gorki Theater zu besuchen.
Bild: Andrea Rosetti