Balkan Erotic Epic – Stage Version

Zum Start in die neue Ausgabe der Performing Arts Season trumpften die Berliner Festspiele mit einem ganz großen Namen auf: Marina Abramović, Superstar der Performance-Kunst, die mit zahlreichen Preisen und großen Ausstellungen geehrt wurde, erarbeitete das Auftragswerk „Balkan Erotic Epic“.

Dahinter verbirgt sich ein opulentes Folklore-Spektakel, das zurück zu den Wurzeln der Künstlerin im Jugoslawien vor dem Bürgerkrieg in den 1980er Jahren geht. Als Koproduktion wurde es von mehreren Festivals und Produktionshäusern in Europa und Hong Kong finanziert: zwei Versionen sind auf Tour, eine immersive Hangar-Version, die am 9. Oktober 2025 in der Factory International, Manchester Premiere hatte und von 3.-11. September 2026 in der Kraftzentrale in der Peripherie des Landschaftsparks Duisburg-Nord bei der Ruhrtriennale zu sehen war, und ein klassisches Bühnen-Setting das am 24. Januar 2026 im Gran Teatre del Liceu, Barcelona rauskam und von 13.-17. Oktober 2026 im Haus der Berliner Festspiele gastierte.

Abramović prangt zwar in großen Lettern über dem Abend, sie ist verantwortlich für Regie, Konzept und Design, aber: The Artist is not Present. Ihre bahnbrechenden Arbeiten leben von den unmittelbaren Grenzerfahrungen und dem Schmerz, dem sie sich aussetzt. In ihrem Bühnen-Spätwerk sind davon nur Spurenelemente enthalten.

Eine Blaskapelle führt in den Abend ein und eine ganze Armada von Klageweibern schlägt sich im Video auf die Brust, als Tito 1980 starb. „Balkan Erotic Epic“ entwickelt sich anschließend zur Folklore-Revue, die in mehr oder minder langen Szenen verschiedene, im Programmheft detailliertere beschriebene Bräuche und Riten vom Balkan nachstellt.

Das ist als Revue ganz hübsch anzusehen, es gelingen ein paar schöne Bilder, die stets ganz bewusst mit der Grenze zum Kitsch spielen und oft auch mit expliziter Nacktheit. Das Folkloristische knüpft nahtlos an frühere Performing Arts Season-Gastspiele wie „Thikra: The Night of Remembering“ der Akram Khan Company im vergangenen Jahr an. Das Publikum feiert die Show mit Standing ovations, auch wenn alles, was Abramovićs Ruhm ausmacht, hier nur in homöopathischer Dosis enthalten ist.

Zu albern sind die Comedy-Zwischenspiele von Elke Luyten, die im „Nutty Professor“-Look immer wieder Freiwillige aus dem Publikum herauspickt, die sich in Mitmachspielen über Fruchtbarkeits-Riten zum Affen machen. Auch sonst hätte der Abend noch dramaturgischen Schliffs bedurft: die drei pausenlosen Stunden ziehen sich sehr, als zweistündige Unterhaltungsshow, die vom großen Namen im Hintergrund lebt, wäre es rund gewesen.

Bilder: © VG Bild-Kunst, Bonn 2026; Foto: Marco Anelli, Instagram @marco_anelli_studio.

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