Mit sonorer Märchenerzählerinnen-Tonlage führt Josefin Platt aus dem Off in den Abend ein. Aus der fernen Zukunft blickt sie zurück auf unsere Gegenwart und wundert sich, dass es tatsächlich so merkwürdige Dinge wie einen Supermarkt gegeben haben muss.
Der Supermarkt ist Lebensmittelpunkt von Maria (Kathrin Wehlisch), Pete (Jannik Mühlenweg) und Judy (Nina Bruns). Stundenlang sitzen sie an der Kasse, scannen monoton die Waren ab, führen routinierten Small-Talk und sind abends so fertig, dass es nur noch zu Bier und Serie auf der Couch reicht.
Von prekärer, entfremdeter Arbeit erzählt WORX-Regie-Stipendiat Luis August Krawen mit Co-Autorin Martha Mecchow. Beide kommen aus der P14-Talentschmiede im 3. Stock der Volksbühne am Rosa Luxemburg-Platz und liefern in Miniaturen und Fragmenten präzise Beobachtungen dieses tristen Lebens.
Kathrin Wehlisch als Maria ist das Zentrum des Abends. Resigniert fügt sie sich in ihr Schicksal. Als Malerin war sie nicht finanziell erfolgreich. Da sie nur 200 € Rente hat, sieht sie keine Alternative, durch das Schuften beim Regale-Einräumen und Kassieren die zu mickrige Rente aufzustocken. Von den autobigraphischen Erfahrungen von Krawens Mutter ist dieser Abend inspiriert, erfahren wir im Programmheft-Interview mit dem Duo.
Von Maria heben sich Judy, der ein Erbe aus dem mittelständischen Betrieb ihrer Eltern winkt, und Pete ab, der sich als Nerd in Kryptowährungs-Geschäfte reinkniet und vom finanziellen Durchbruch phantasiert. Ganz bei sich und auf dem Boden der bitteren Tatsachen bleibt nur Wehlischs Maria.
80 Minuten kurz ist diese Talentprobe, die den 5. Jahrgang des WORX-Programms eröffnet und zu den stärkeren Arbeiten zählt, die bislang in dieser Nachwuchsreihe des Berliner Ensembles zu sehen waren.
Aufgelockert wird der dokumentarisch-lakonische Grundton durch die surrealen Live-Video-Trips der Pete-Figur von Mühlenweg und durch US-amerikanische Spirituals, die wie der sarkastisch verfremdete Stück-Titel auf Bibel-Versen basieren.
Am 30. Oktober 2026 wurde „Die Letzten werden die Allerletzten sein“ im Werkraum uraufgeführt.
Bild: Moritz Haase