„Das Spiel ist aus“: Melodram statt Existentialismus – Sartre am DT

Es wird September – die Blätter färben sich herbstlich und die großen Bühnen kommen aus den Theaterferien zurück: Am Eröffnungswochenende der Spielzeit 2014/2015 präsentierte das Deutsche Theater Berlin Jette Steckels zweite Inszenierung eines Texts von Jean-Paul Sartre: Das Spiel ist aus.

Das Publikum stellte sich auch an diesem Abend die Frage, die sich schon viele Kritiker seit der Premiere im Frühjahr gestellt haben: Was fasziniert und interessiert die Regisseurin am existentialistischen Philosophen so sehr, dass sie kurze Zeit nach Die schmutzigen Hände ein weiteres Stück von ihm ausgewählt hat?

Die großen Themen, mit denen sich Sartre nicht nur in diesem Text von 1943 auseinandersetzte, sind die Freiheit, Einsamkeit und die radikale Verantwortung des Menschen für sein Handeln. In seinem Gedankenspiel gibt er zwei Menschen grundverschiedener sozialer Herkunft die Chance, nach dem Tod in ihr altes Leben zurückzukehren und alles besser zu machen. Den Traum vom gemeinsamen Glück vor Augen scheitern der linke Revolutionär und Antifaschist Pierre und die verwöhnte, reiche Gattin Eve in nur 24 Stunden völlig und landen sofort wieder im Jenseits.

Bei Jette Steckel wird daraus ein Melodram, vor allem Ole Lagerpusch trägt seinen Text (mal ist es Sartres Original, mal sind es Zitate anderer Autoren wie Milan Kundera) zu pathetisch und überbetont vor. Vom politischen und philosophischen Kern ist wenig zu spüren.

Statt der Auseinandersetzung mit Sartres Thesen zieht Steckel alle Register der Bühnentechnik: die Hinterbühne, auf der das Publikum sitzt, während die Schauspieler meist im Zuschauerraum agieren, dreht sich munter. Lichteffekte bis hin zu völliger Schwärze werden mit den melancholischen Klängen aus dem neuen Album von The Notwist kombiniert.

So entsteht ein kurzweiliger Abend, aber der tiefere Sinn der Inszenierung bleibt im Dunkeln.

Das Spiel ist aus: Weitere Informationen und Termine

Das Stück ist seit dem 28. März 2014 im Repertoire des Deutschen Theaters Berlin.

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