Under the Silver Lake

Einer der schrägsten Filme des Kinojahres ist „Under the Silver Lake“ von David Robert Mitchell. Nach seinem vielbeachteten Independent-Horror-Film „It follows“ (2014) durfte er sich mit seinem neuen Film, für den er auch selbst das Drehbuch schrieb, richtig austoben.

„Under the Silver Lake“ beginnt wie ein klassischer Film-Noir: Nerd Sam (Andrew Garfield) schlurft unbeholfen durch sein Leben, den Vermieter wegen ständiger Zahlungsrückstände im Nacken. Zur sexuellen Befriedigung bleiben ihm nur alte Playboy-Hefte aus der Sammlung seines Vaters und die freizügigen Nachbarinnen, die er als Spanner mit dem Fernrohr beobachtet. Als Silberstreif in seiner Tristesse taucht plötzlich die blonde Schönheit Sarah mit Model-Figur (Riley Keough) gegenüber. Wider Erwarten kommen sich die beiden näher, die Chemie scheint zu stimmen, das erste Date wird aber abrupt unterbrochen – und am nächsten Morgen ist die geheimnisvolle Fremde plötzlich verschwunden.

Die nächsten knapp 2,5-Stunden des überlangen Films sind ein Drogentrip durch die Randbezirke von L.A., Hollywood ist für alle hier der große Traum. Für die meisten reicht es aber nur, kurz in die Glamour-Welt hineinzuschnuppern. Auf seiner verzweifelten Suche nach seiner Traumfrau irrt Sam über diverse Partys und verstrickt sich immer tiefer in paranoide Verschwörungstheorien.

Die gesamte Popkultur inklusive Nintendo-Heften dient dazu, geheime Botschaften zu transportieren, die nur wenige eingeweihte Superreiche entschlüsseln kann. David Robert Mitchell badet in 90er Jahre-Nostalgie und verwöhnt sein Kinopublikum mit den Klängen von Nirvana bis R.E.M. Vor allem die beiden Songs „What´s the Frequency. Kennneth?“ und „Strange Currencies“ aus dem „Monster“-Album von R.E.M. passen exzellent zu diesem filmischen Trip.

Sams Weg ist gepflastert von skurrilen Begegnungen mit Starlets, die als Escorts arbeiten, einem alternden „Songwriter“, der angeblich alle Pop-Hits am Klavier komponiert hat und im Reichtum schwimmt, mit aus heiterem Himmel tot zu Boden fallenden Eichhörnchen und einer mysteriösen Mordserie an Schoßhunden. „Beware the Dog-Killer!“ mahnt der Film am Anfang und am Ende.

In seinem überbordenden Anspielungsreichtum auf die Filmgeschichte, Popkultur und Comics und seinem schrägen Humor könnte „Under the Silver Lake“ das Potenzial zum Kultfilm für eine Fangemeinde haben. Vielleicht gerät er aber auch schon bald nach der Premiere im prestigeträchtigen Wettbewerb von Cannes (Mai 2018) und seinem Kinostart (am 6. Dezember 2018) in Vergessenheit.

Bilder: ©A24

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