Die Legende von Paul und Paula

Angela Merkel wich allen privaten Fragen konsequent aus. Aber dass sie gerne Obstkuchen backt und „Die Legende von Paul und Paula“ ihr Lieblingsfilm ist, hat sie dem Publikum dann doch anvertraut.

Der DEFA-Film genießt seit Jahrzehnten Kultstatus und hält auch fünf Jahrzehnte einem kritischen Blick stand. Die Sehnsucht nach Freiheit während einer kurzen Tauwetter-Phase ist in diesen sehr verspielt-skurrilen 105 Minuten deutlich spürbar.

Nach Ulrich Plenzdorfs Drehbuch und unter Heiner Carows Regie läuft das Hauptdarsteller-Duo Angelica Domröse und Winfried Glatzeder zu Hochform auf. Beide standen recht am Anfang der Karriere und wurden mit diesem Film 1973 zu Stars in der DDR. Beide gingen in der Eiszeit nach der Biermann-Ausbürgerung in den Westen und „Die Legende von Paul und Paula“ landete bis zum Mauerfall im Giftschrank.

Die Funktionäre saßen bei der Premiere mit versteinerten Mienen da. Zu deutlich ist die Kritik dieses Films am verknöcherten, grauen Sozialismus: Immer wieder werden baufällige Ruinen gesprengt und auch die beiden Protagonisten brechen in den ikonisch gewordenen Traumsequenzen zu den Puhdys-Songs ins Offene auf. Paul steckt in einer unglücklichen Beziehung, Paula gerät an die falschen Männer und ist alleinerziehend: gegen alle Widerstände beginnen sie eine Amour fou, die sich zur Gefühlsachterbahn entwickelt.

Der Plot dieser romantischen Tragikomödie ist gar nicht so wichtig. Im Vordergrund steht das Lebensgefühl einer Aufbruchstimmung, sich kleine Freiräume zu erobern und nicht ganz so linientreu weiterzumachen.

Wenige Tage nach dem Tod von Angelica Domröse lief der Klassiker „Die Legende von Paul und Paula“ im Kino International.

Bild: Herbert Kroiss, Manfred Damm, DEFA-Stiftung

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