Joker

Von seiner Teenie-Komödien-Trilogie „Hangover“ ist der neue Film des Regisseurs Todd Phillips weit entfernt. „Joker“, einer der meisterwarteten Filme des Kinojahres, ist das düstere Psychogramm eines gequälten Außenseiters, der zum „Batman“-Gegenspieler und Killer wird.

Es ist ungewöhnlich für das Popcorn-Kino, dass ein Film die Vorgeschichte zu den zahlreichen „Batman“-Sequels so konzentriert, mit so wenig Action und so wenig Schenkelklopfer-Humor erzählt. „Joker“ zielt nicht nur auf das junge Multiplex-Publikum, die zwei Stunden lang in eine Fantasy-Welt flüchten können, sondern macht auch seine Oscar-Ambitionen sehr deutlich. Der Film ist ganz auf seine Hauptfigur Joaquin Phoenix zugeschnitten, der als trauriger Clown durch die erste Stunde grimassiert.

Der Film zeichnet das Porträt eines verzweifelten Außenseiters; er wird jugendlichen Gangs verfolgt, von U-Bahn-Fahrgästen gemobbt und verhöhnt, lebt immer noch bei seiner Mutter, die sich in eine parallele Realität eingesponnen hat und eckt vor allem deshalb an, weil er aufgrund eines neurologischen Problems in den unpassendsten Situationen in ein blechernes Lachen ausbricht.

Todd Phillips gönnt seiner Hauptfigur kurze Momente der Hoffnung: einen Flirt mit der alleinerziehenden Nachbarin und kleine Erfolge auf Stand-up-Comedy-Off-Theater-Bühnen. Immer wieder phantasiert sich die Hauptfigur Arthur (Joaquin Phoenix) in Tagträume hinein, dass ihn sein großes Idol Murray Franklin (gespielt von Robert de Niro) entdeckt und in seine Late Night-Show einlädt.

Nach all den Demütigungen und Verletzungen greift der „Joker“ zur Selbstjustiz. In den brutalsten Szenen des Films metzelt er gezielt andere Menschen nieder und wird in dieser dystopischen, von tiefen sozialen Gegensätzen zerrissenen „Gotham City“ zum Idol der Wutbürger, die bürgerkriegsähnliche Zustände anzetteln.

Über knapp zwei Stunden nimmt in dieser Psychostudie, die erklären will, wie sich ein Außenseiter zum Monster entwickelt, das Verhängnis seinen Lauf. Routiniert und schnörkellos, aber doch mit einigen Längen schildert „Joker“ die Vorgeschichte des „Batman“-Gegenspielers.

Es überrascht, dass dieser recht eindimensionale Film, der nur von der Radikal-Performance seines Hauptdarstellers lebt, in Venedig mit dem Goldenen Löwen als bester Film ausgezeichnet wurde. Cineastisch hat er dafür zu wenig zu bieten und kann sich nicht mit den beiden Hauptpreisträgern der anderen A-Festivals („Synonymes“ auf der Berlinale und „Parasite“ in Cannes) messen. Die schauspielerische Leistung und Ausdruckskraft von Phoenix wäre hingegen durchaus preiswürdig für einen Silbernen Löwen als bester männlicher Hauptdarsteller gewesen.

Bereits wenige Wochen nach der Auszeichnung in Venedig startete „Joker“ am 10. Oktober 2019 in den deutschen Kinos und geht als ein heißer Kandidat in die Oscar-Saison.

Bilder: © 2019 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved. TM & © DC Comics

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