Knives out

Rian Johnson lässt sich nicht gern in eine Schublade einsortieren und spielt am liebsten mit den Genres: auf sein High Schoool-Noir-Debüt „Brick“ folgten der Indie-Hit „Brothers Bloom“, der Bruce Willis-Action-Reißer „Looper“ und das „Star Wars“-Sequel „The Last Jedi“ (2017).

Ähnlich viele Haken wie seine Karriere schlägt auch der Plot seines neuen Films „Knives out“, der auf dem deutschen Kinomarkt den seltsamen Untertitel „Mord ist Familiensache“ bekam. „Knives out“ verbeugt sich vor dem klassischen Agatha Christie-Whodunit-Krimi. Auf den ersten Blick wirkt es sehr altmodisch und aus der Zeit gefallen, wie der Privatdetektiv Benoit Blanc (Bond-Star Daniel Craig) im Salon einer Villa die Angehörigen des verstorbenen Patriarchen verhört und diese sich in Widersprüchen verstricken.

„Knives out“ ist jedoch bei weitem nicht so betulich, wie es zunächst scheint, sondern mischt sich sehr dezidiert in aktuelle US-amerikanische Debatten um Donald Trump und seine Einwanderungspolitik ein und dürfte mit seinen bösen Pointen manchen Republikanern die Zornesröte ins Gesicht treiben. Auch die Filmsprache ist raffinierter als es nach dem ersten Eindruck scheint: Maria Wiesner arbeitete in ihrer FAZ-Rezension heraus, dass sich Johnson und sein Kameramann Steve Yedlin gegen die klassische Einstellung entschieden. Köpfe werden oft nur angeschnitten, der Blick des Zuschauers konzentriert sich auf die Hände, verräterische Gesten und die Körpersprache der Befragten.

Dass „Knives out“ ein unterhaltsamer Kinospaß ist, liegt an dem gut aufgelegten Ensemble: In den Nebenrollen überzeugen Christopher Plummer als Patriarch, Jamie Lee Curtis als Vorzeige-Tochter, Toni Colette als „Esoterik-Tante“ und Chris Evans als das „schwarze Schaf“ der Familie. Die Entdeckung des Films ist allerdings die kubanische Schauspielerin Ana de Armas, die sich als Hausangestellte Marta ins Zentrum des Geschehens und den Co-Hauptdarsteller Craig als blasierten Ermittler an die Wand spielt.

Für viele war sie bei den Golden Globes eine Favoritin als beste Hauptdarstellerin einer Komödie. Dieser Preis ging allerdings an Awkwafina für „The Farewell“, „Knives out“ ging trotz drei Nominierungen leer aus.

Obwohl „Knives Out“ im letzten Drittel einige Twists zu viel auf die Leinwand zaubert, ist diese Krimi-Komödie durchaus sehenswert und nach seiner Premiere in Toronto ein guter Auftakt für das deutsche Kinojahr.

Bilder: Universum Film

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